ZartBitter

Mittlerweile sind unzählige Trends um Ernährungsformen entstanden, wie zum Beispiel die vegetarische oder vegane Ernährung. Aber wieso verzichten Menschen freiwillig auf bestimmtes Essen? Und warum sollte ich mir so viele Gedanken über meines machen?
Ich habe meine WG beim Frühstückstisch geschnappt und habe ihnen ein paar Fragen zu ihren Essgewohnheiten gestellt.
(Die Namen wurden zugegebener Maßen auf persönlichen Wunsch der Befragten geändert)

Die Lebensmittel, die wir kaufen und essen haben nicht nur Auswirkungen auf den Menschen der sie zu sich nimmt, sondern auch auf seine Umwelt. Das liegt daran, dass irgendjemand die Lebensmittel produziert, verkauft und dabei versucht möglichst viel Geld zu verdienen. Aus dem Grund entscheiden sich viele Lebensmittelkonzerne, ihre Produkte so billig wie möglich herzustellen. Bei Fleisch oder Tierprodukten wie Käse, Milch, Schokolade und vielen weiteren, führt die billige Produktion zu unwürdigen Bedingungen für die Tiere.

Informiert ihr euch über die Lebensmittel, die ihr kauft und esst und wenn ja warum?

Schnuck: Meine Eltern haben mich vegetarisch großgezogen, aus gesundheitlichen Gründen. In den 90ern kam es zu Lebensmittelskandalen. Krankheiten wie BSE oder Schweinegrippe waren verbreitet. Ich bin also mit dem Wissen aufgewachsen, dass Ernährung sich auf den Körper auswirkt. Dass ich mich mittlerweile vegan ernähre, hat jedoch nichts mit meiner Gesundheit zu tun.

Schnick: Bei mir war das ganz ähnlich. Die Lebensmittelskandale damals haben vielen Menschen gezeigt, dass die meisten Tiere sehr schlecht behandelt werden. Viele haben sich zum ersten Mal damit beschäftigt, woher ihr Essen überhaupt kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wird. Generell möchte ich einfach Verantwortung für mein Handeln übernehmen und versuche deswegen darauf zu achten, was ich esse.

Schnuck: Ich finde es auch grundsätzlich einfach geil, gutes Essen zu haben. Dafür gebe ich lieber mein Geld aus als für andere Dinge, die ich meistens eh nicht brauche.

FlipFlop: Ich habe mich erst über mein Essen informiert, als ich Menschen getroffen habe, die mich auf die häufig schlechten Produktionsbedingungen der Lebensmittel aufmerksam gemacht haben. Davor hat das überhaupt keine Rolle gespielt.

Mango, Ananas, Avocado, Wassermelone, Sternfrucht, Kaki, Granatapfel, Papaya. Die Liste der Früchte, die in Deutschland nicht wachsen ist sehr lang. Trotzdem ist es mittlerweile normal, all diese Produkte im Supermarkt zu finden und zwar das ganze Jahr über. Das bringt jedoch eine Reihe von Problemen mit sich. Eines davon ist der Transport. Das Gemüse und Obst muss von dem Land, in dem es angebaut wird oft ganze Kontinente oder Meere überqueren, bevor es in Deutschland im Supermarktregal landet. Vor allem leicht verderbliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Fisch oder Fleisch werden per Flugzeug transportiert. Das Problem dabei: Lebensmittel, die per Luftfracht transportiert werden, verursachen einen 170 mal so großen Co²-Ausstoß wie die gleiche Menge Lebensmittel, die mit dem Schiff transportiert wird.
Ein konkreteres Beispiel für die möglichen Folgen von Gemüse- und Obstanbau zeigt sich seit ein paar Jahren im Süd-Osten Spaniens. Die größte Lagune Europas Mar Menor, wird dort durch die illegale Wasserversorgung der Gemüse- und Obstfelder, durch nitrathaltiges Grundwasser zerstört.

Inwiefern informiert ihr euch über euer Essen?

Schnick: Ich lese mir im Supermarkt oft die Inhaltsstoffe hinten auf den Produkten durch und vergleiche sie mit ähnlichen Produkten. Außerdem ist mir bei Gemüse und Obst wichtig, wo die Sachen herkommen.

Flip Flop: Nee ich lese mir eigentlich nie was durch, obwohl ich das eigentlich mal machen sollte.

Zilla: Ich würde mich auch gerne mehr informieren, aber irgendwie komme ich einfach nicht dazu.

Schnick: Pilze müssen vor allem billig sein! Alles andere Gemüse muss aus Deutschland kommen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber grundsätzlich esse ich nur, was auch theoretisch in Deutschland wachsen könnte. Außer bei Fast Food, da schalte ich ganz ab, was ich da eigentlich esse.

Ein weiteres Problem, das mehr oder weniger alle Produkte im Supermarkt betrifft sind die schlechten Arbeitsbedingungen der Menschen, die das Essen mit produzieren. Da diese meistens in fernen Ländern leben und arbeiten, ist es für uns als Konsument*innen in Deutschland leicht, sie zu ignorieren. Herauszufinden wo ein Produkt herkommt ist meist mit einem Blick auf das Etikett getan. Schwieriger ist es jedoch nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Natürlich versuchen große Lebensmittelkonzerne, die Wahrheit über die Produktionsbedingungen ihrer Produkte mit schönen Designs und lockeren Sprüchen zu vertuschen. Es gibt jedoch zunehmend Firmen, die sich der Problematik bewusst werden und versuchen, allen Beteiligten der Produktion, faire Löhne zu zahlen. Außerdem gibt es Siegel, die gewisse Standards gewährleisten. So zum Beispiel das Fairtrade-Siegel, das international anerkannt ist und vor allem auf Produkten wie Tee, Kaffee oder Kakao zu finden ist.
Noch verbreiteter ist in Deutschland das Bio-Siegel, das es in deutscher und europäischer Variante gibt und sich eher auf die Produktion innerhalb des jeweiligen Landes bezieht. Zudem gibt es verschiedene deutsche Bioverbände wie z.B. Bioland oder Demeter, die sich für nachhaltige Landwirtschaft und faire Partnerschaften zwischen den Landwirt*innen, Hersteller*innen und Händler*innen in Deutschland einsetzen.
Vegetarische und vegane Lebensmittel werden immer häufiger durch das V-Label der Vegetarian Union gekennzeichnet.
Ich möchte jedoch betonen, dass keines der genannten Siegel gewährleistet, ein 100% faires und nachhaltig produziertes Produkt zu kaufen. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn man* im Laden steht und die vergeichsweise hohen Preise sieht.
Was die Siegel garantieren ist, dass bei der Produktion festgelegte Standards eingehalten wurden. So müssen zum Beispiel Produkte, die mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet werden, zu mindestens 95% aus ökologisch angebauten Inhaltsstoffen bestehen. Das Fairtrade-Siegel setzt für die Produktionsbedingungen unter anderem voraus, dass keine Form von Diskriminierung am Arbeitsplatz stattfindet. Zudem verbietet es dem Betrieb jegliche Beteiligung an Zwangsarbeit.

Was sind denn eure persönlichen Gründe, euch vegan, vegetarisch oder gar nichts von beidem zu ernähren?

Schnuck: In fünf Jahren Vegetarismus bin ich nie auf die Idee gekommen, dass vegetarisch nicht das Beste ist, was ich machen kann, um das Leiden der Tiere zu vermeiden. Als ich dann von Veganismus gehört habe, war klar: entweder vegan oder wieder Fleisch. Tierische Produkte sind für mich sogar schlimmer als Fleisch, da die Tiere ihr Leben lang in Käfige eingesperrt werden, ohne dass eine Schlachtung ihr Leid beendet.

Zilla: Mir fällt es extrem leicht auf Fleisch zu verzichten und je länger ich es tue, desto komischer ist der Gedanke, wieder Fleisch zu essen. Ich glaube wenn sich die Lebensbedingungen der Tiere verbessern würden, könnte ich Milchprodukte wieder kaufen, Fleisch jedoch auf gar keinen Fall!

Schnick: Ich bin super inkonsequent und lustorientiert! Stück für Stück schaue ich, wo die Sachen sind, die mir wichtig sind oder auf die ich verzichten kann. Einfach zu sagen, ich esse jetzt kein Fleisch mehr, würde mir den Umgang mit Mitmenschen schwer machen. So kann ich weiterhin bei Familienessen mitessen, die traditionell immer mit Fleisch gekocht werden und extrem lecker sind! Und wenn ich sonst Lust auf Fleisch habe, bezahle ich meistens viel Geld, außer eben bei Fast Food. Ich würde sagen, dass ich einfach zu inkonsequent und bequem bin um mich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Aber das ist okay für mich.

Ein Artikel von Jasper von Römer

Wie sieht es bei euch aus? Informiert ihr euch über die Lebensmittel, die ihr konsumiert und wenn ja wie? Gibt es Produkte, die ihr auf gar keinen Fall esst? Was sind die Gründe dafür?
Schreibt gerne in die Kommentare, was euch wichtig ist, wenn es um Essen geht und stellt natürlich auch gerne Fragen!

Die Initiative Foodsharing, versucht gegen Lebensmittelverschwendung zu kämpfen, in dem sie eine Plattform bietet auf der Menschen Essen miteinander tauschen können. Schaut euch an wie es funktioniert und wie ihr mitmachen könnt!

Höchst aktuell und im Artikel bereits erwähnt, empfehle ich euch, die Video-Reportage zur Zerstörung der spanischen Lagune:
https://www.swr.de/report/gemuese-auf-kosten-der-umwelt-setzen-deutsche-einkaeufer-spanische-bauern-unter-druck/-/id=233454/did=21660296/nid=233454/1k2x2wu/index.html

Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Jasper von Römer

 

 

 

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