Eine Tonne pro Minute

Alle reden über Plastik, aber wo war da gleich nochmal das Problem?

Plastik braucht unglaublich lange, um zu verrotten (ungefähr 500 Jahre). Und da es immer mehr wird, werden natürliche Kreisläufe gestört, wodurch viele Tiere und Pflanzen bedroht sind. Jede Minute landet ungefähr eine Tonne Müll im Meer und nach Schätzungen wird es, wenn es so weitergeht, 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben. Doch was kann man dagegen tun?

Zunächst scheint es schier unmöglich auf Plastik zu verzichten, denn geht man durch den Supermarkt oder andere Geschäfte, ist einfach alles in Plastik verpackt. So bräuchte es zum einen Gesetze, die vor allem Einweg-Plastik verbieten und Produzent*innen dazu bringen, ihre Waren in umweltfreundlichere Materialien zu verpacken. Allerdings ist es bis dahin für jede*n gar nicht so aussichtslos, den eigenen Plastikverbrauch zu reduzieren, denn wenn man die Augen ein bisschen offen hält, finden sich oft gute Alternativen und Möglichkeiten Plastik zu vermeiden. Da jede*r von uns sein Leben ein bisschen anders lebt und es unterschiedliche Bedürfnisse gibt, gibt es nicht die eine Universallösung zu einem plastikfreien Leben. Daher kann es klug sein, sich zunächst erst einmal einen Überblick zu verschaffen, was und wo man selbst eigentlich Müll produziert. Eine Möglichkeit könnte sein, einen Monat lang all den (Plastik)Müll, den man eigentlich in die Mülltonne werfen würde zu sammeln. Am Ende hat man dann einen Eindruck davon, wie viel dann doch zusammen kommt.

Am Ende der Müllsammelphase kann man dann schauen, was eigentlich so alles da ist. Vermutlich wird es viel Verpackungsmüll oder Einweg-Plastik sein. Im nächsten Schritt kann man überlegen, was davon man auch in Zukunft verbrauchen wird und ob es dafür nicht vielleicht auch Alternativen gibt. Es gibt auch schon viele andere Menschen, die sich genau damit auseinandersetzen. Vor allem unter dem Begriff „Zero Waste“ findet man im Internet und in Büchern viele nützliche Informationen und Anregungen. Eine Bloggerin, die ich euch besonders ans Herz legen möchte ist Shia Su, die auf ihrem Blog Wasteland Rebel viele tolle Tipps und Tricks für ein müllfreieres Leben teil


Für alle, die sofort loslegen wollen, sind hier noch ein paar Anregungen, wie man mit relativ kleinem Aufwand schon einiges an Müll vermeiden kann:

Trinkflasche und Kaffeebecher

Einer meiner ersten Schritte zu einem müllfreieren Leben war es, mir eine wiederbefüllbare Trinkflasche zuzulegen und von in Plastikflaschen abgefülltem Wasser auf Leitungswasser umzusteigen. Angenommen man trinkt am Tag eine Flasche Wasser. Dann sind das pro Jahr 365 Plastikflaschen, die man mit diesem Schritt einspart. Und günstiger ist es zudem auch noch.
Das gleiche gilt auch für Coffee to go Becher. Anstatt sich jedes mal einen neuen Wegwerfbecher geben zu lassen, kann man sich den Kaffee auch in einen wiederverwendbaren Becher oder ein schönes Schraubglas geben lassen.

Jutebeutel

Um Plastikbeutel kommt man beim Einkaufen scheinbar nicht herum. Wenn man jedoch einen eigenen (Jute)beutel oder Rucksack dabei hat, kann man die Dinge auch darin verstauen. (Das funktioniert meist sogar auch für Brot und Brötchen).
Es ist nicht so schwer. Man muss nur daran denken, den eigenen Beutel dann auch wirklich dabei zu haben. Aber nach einer Zeit lang stellt sich eine Routine ein und man macht das schon fast automatisch.

Bambuszahnbürsten

Für Plastikzahnbürsten gibt es als Alternative bereits verschiedene Bambus- und Holzzahnbürsten zu kaufen. Ihr bekommt diese auf jeden Fall in Unverpacktläden und manchmal auch im Bioladen. Für Menschen, die dazu keinen Zugang haben, könnte sich vielleicht eine Großbestellung im Internet anbieten, denn Zahnbürsten braucht man ja eigentlich immer und vielleicht wollen sich ein paar Familienmitglieder oder Freund*innen auch von ihren Plastikzahnbürsten verabschieden. Die Zahnbürstenalternative ist jedoch auch ein bisschen teurer, allerdings ist eine Zahnbürste ja auch nichts, das man täglich wechselt, sodass es sich der Umwelt zuliebe lohnt ein bisschen mehr auszugeben und vielleicht spart man dafür dann an einer anderen Stelle, an der die müllfreie Möglichkeit günstiger ist, als die bisherige Variante.

feste Seife und Shampoo

Flüssigseife durch feste Seife zu ersetzen, ist ein ziemlich simpler aber effektiver Schritt hin zu weniger Müll- bzw. Plastikverbrauch.
So ein Seifenstück bekommt man in Drogeriemärkten mindestens in Papierverpackung und im Unverpacktladen manchmal auch ganz ohne. Zudem hält es sich länger und nimmt weniger Platz weg. Die meisten Seifenstücke sind als Körperseife gedacht, jedoch gibt es auch immer häufiger festes Shampoo. Olivenölseife, die dann sogar palmölfrei ist, lässt sich auch für beides benutzen.
Am Anfang kann das Hautgefühl nach dem Waschen ein bisschen anders sein, allerdings gewöhnt man sich da eigentlich recht schnell dran. Nehmt euch ruhig Zeit um die richtige Seife für euch zu finden.

Mikroplastik

Ein weiteres großes Problem in den Weiten der Plastikmüllberge ist Mikroplastik, welches aus kaum bis nicht mehr sichtbaren Plastikteilchen besteht, die durch ihre geringe Größe nicht einfach aus der Umwelt entfernt werden können und dort noch unvorhersehbare Schäden anrichten. Auch Menschen sind davon betroffen, denn durch Wasser oder Nahrung können diese winzigen Partikel problemlos in unseren Körper gelangen. So wurden bereits geringe Mengen von Mikroplastik im menschlichen Blut nachgewiesen. Doch wo kommt das Mikroplastik her? Zum einen entsteht es, wenn große Plastikteile in immer kleinere und winzigere Teile zerfallen, da sie ja nicht verrotten. Aber auch in vielen Kosmetikprodukten, wie Peelings oder Zahnpasta ist Mikroplastik für den Schrubbeleffekt enthalten. Im Abwasser kann dieses dann durch seine geringe Größe nicht herausgefiltert werden und landet in der Umwelt und früher oder später dann eben in unserem Blut. Aus den Inhaltsangaben ist nicht immer ersichtlich, ob Mikroplastik enthalten ist oder nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist es sinnvoll zu zertifizierter Naturkosmetik zu greifen, denn da sind Mikroplastik oder andere Kunststoffe definitiv nicht zugelassen. Und vielleicht gibt’s ja auch den ein oder anderen Do-It-Yourself-Trick. Peeling lässt sich beispielsweise ziemlich einfach aus Kaffeesatz und Öl herstellen.

Abschminkpads

Sich jeden Abend mit Abschminkpads abschminken produziert auf Dauer auch einen ganz schön großen Müllberg. Die Alternative können waschbare Pads sein, die man entweder in Unverpacktläden kaufen oder noch besser aus alten Stoffen selbst nähen kann. Dazu am Besten zwei gleich große Stücke aus altem Stoff und alten Handtuch- oder Waschlappenresten ausschneiden und an den Seiten mit der Hand oder der Nähmaschine zusammennähen. Zack Fertig: Waschbares Abschminkpad.

Stofftaschentücher

Wenn die nächste Erkältung naht ist es doch ganz cool zu wissen, dass dafür kein Wald draufgehen muss. Eine super Alternative zu Taschentüchern aus Papier sind Stofftaschentücher. Diese sind waschbar und somit auch wiederverwendbar. Es gibt sie mit fancy Blumenmuster, mit und ohne Spitze oder einfach nur schlicht weiß. Oft finden sich auf Dachböden von Großeltern/Freund*innen/Bekannten noch die ein oder anderen Taschentücher. Nachfragen lohnt sich auf jeden Fall. Und falls nicht, dann gibt es bei Ebay Kleinanzeigen manchmal auch recht günstige Angebote.
…Es ist natürlich gut mehr als nur ein Taschentuch zu haben, um es regelmäßig auswechseln zu können und auch mal eine längere Schnupfenphase zu überstehen.

Ein Artikel von Nora Fischer
Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Nora Fischer

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