Zwischen Party, Lesung und Diskurs – Das Fuchsbau Festival

Vom 9. bis 11. August waren zwei unserer Redakteurinnen auf dem Fuchsbau Festival bei Lehrte. Hier teilen die beiden ihre Eindrücke mit euch.

Mein Wochenende auf dem Fuchsbau Festival

Bevor ich euch erzähle wie ich das Fuchsbau Festival fand und was ich da erlebt habe, möchte ich euch wissen lassen, aus welcher Perspektive ich das Festival wahrgenommen habe: Ich bin 23 Jahre alt; studiere in Hildesheim und hatte dadurch eine sehr kurze Anreise; ich bin wenig bis gar nicht Techno begeistert; mein letzter Festivalbesuch war auf dem Southside 2014 und Dixi Klos sowie Zelte sind für mich ziemlich weit oben auf der Liste der Dinge, die meinen Stresspegel in die Höhe schießen lassen. Ich bin also nicht wirklich eine Festival-affine Person, sondern eher so der Festival-Muffel. So. Jetzt wo ihr das wisst, kann ich euch etwas über meinen Eindruck des Festivals erzählen.

Die Atmosphäre auf dem Festival erinnerte mich eher an ein großes Gartenfest oder ein Sommerfest einer Universität. Der Altersdurchschnitt der Besucher*innen lag etwa bei Anfang bis Mitte 20. Die Dancefloors hatten für mich sowohl von ihrer Ästhetik als auch von der Musik und Stimmung her etwas von studentischen outdoor raves – nur dass sie eben etwas mehr fancy aussahen. Die Location und die generellen Vibes fühlten sich für mich dadurch vertraut und gemütlich an. Das Gelände war sehr überschaubar, deswegen war ich nie genervt davon, wie lange ich von A nach B brauchte. Es gab sehr viele Spots, die danach aussahen, als wären sie bewusst so instagramable wie möglich dekoriert worden und überall gab es (für mein Geschmack etwas zu viele) Menschen, die genau das erkannten und Selfies von sich machten. Ich kannte nur sehr wenige von den eingeladenen Acts und hatte dadurch keinen Druck und auch keine Erwartungen, etwas unbedingt sehen zu müssen. Daher habe ich mich einfach treiben lassen und mir die Acts angeschaut, auf die ich gerade Lust hatte und die gerade in meinen Zeitplan reinpassten. 

© Jan Helge Petri
© Jan Helge Petri

Ich erlebte sehr interessante Lesungen, Diskussionen und Panels. Die meisten davon behandelten politische Diskurse, was ich sehr spannend fand. Mein Highlight war das Panel mit Munroe Bergdorf (Transfrau, Model und Aktivistin aus Großbritannien), die über die Wichtigkeit medialer Repräsentation von marginalisierten Körpern, intersektionalem Feminismus und darüber, wie wir den Kapitalismus selbst mitgestalten können, damit er sich zu einem ethischeren System entwickeln kann, gesprochen hat. 

Wenn ihr, so wie ich, nicht besonders begeistert von elektronischer Musik, Indie und Alternative Rock Bands sowie Techno seid, werdet ihr keine großen Auswahlmöglichkeiten haben, was die Musik Acts angeht. Ich selbst konnte das gut ausgleichen mit dem Angebot aus Kunst, Diskurs, den wenigen Acts, die meine Definition von tanzbarer Musik gespielt haben und natürlich auch mit dem entspannten Rumhängen auf der Wiese und dem leckeren Essen, das es dort zu kaufen gab. 

Zu einer entspannten Atmosphäre haben noch mehrere Faktoren beigetragen, wie zum Beispiel, dass es kein Problem war an Trinkwasser zu kommen, dass es Komposttoiletten als Alternative zu den Dixis gab und dass das Awareness Team sehr präsent war und mir das Gefühl von Sicherheit gab. Was bei mir zu etwas genervten Vibes führte, war die Tatsache, dass der Shuttlebus keine festen Abfahrtszeiten hatte und man* einfach warten musste bis er kommt. Außerdem ist ein Feld nicht unbedingt die am besten geeignete Location für einen Campingplatz, da der Boden sehr uneben und locker war und ich mir ständig darüber Sorgen machte, dass unser Zelt dem Wind nicht standhalten wird, weil die Heringe nicht fest im Boden stecken blieben. Aber das war jetzt auch kein Weltuntergang. 

Das Fuchsbau Festival hat mich auf jeden Fall von dem Konzept solcher kleinen, gemütlichen und überschaubaren Festivals, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch andere Kunstsparten und vor allem politische Diskurse im Vordergrund stehen, überzeugt und ich habe Lust bekommen mehr davon zu erleben. 

© Jan Helge Petri


Mein Wochenende auf dem Fuchsbau

Das Fuchsbau Festival habe ich dieses Jahr zum dritten Mal besucht. Ich war zuvor 2015 und auch 2016 schonmal da. 2015 hatte ich gerade mein Abi gemacht und freute mich auf einen Festivalsommer mit meinen Freund*innen. Auf dem Fuchsbau widmete ich mich damals eigentlich nur dem Tanzen, Trinken oder dem Fahren mit dem Kettenkarussell. Dieses Jahr war irgendwie anders. Das Fuchsbau ist älter geworden, ich bin auch älter geworden. Und das habe ich gemerkt. 

Normalerweise stressen mich Festivals. Dieser Druck überall gleichzeitig zu sein, diese Masse an Angeboten, kaum bis gar keine Ruhe. Dieses Jahr war es anders. Das Fuchsbau hat mich aufgefangen und mir gezeigt, dass man* auch in Ruhe ein Festival genießen kann. Ich war bei verschiedenen Lesungen, konnte auf dem Rasen liegen und die Augen schließen, fremden Stimmen lauschen. Ich saß in einer kleinen Halle und sah mir Vorträge an, hörte bei Diskussionen zu. Ich stand vor der Bühne und tanzte, sah Bands, die ich nicht kannte, aber auf Anhieb mochte. Das Angebot an Performances, Vorträgen, Panels, Diskussionen und Lesungen gab mir die Möglichkeit, mich auch mal aus dem Trubel vor den Bühnen rauszuziehen. Wenn man* das Verlangen nach einfacher Ruhe hatte, konnte man* außerdem in einen Ruhebereich gehen, wo auch Menschen vom Awareness-Team waren. Dass das Fuchsbau ein Awareness-Team vor Ort hatte, welche an bunten Armbinden erkannt werden konnten, war ein wichtiger Faktor dafür, dass ich mich sicher auf dem Festival fühlte.

© Isabel Machado Rios
© Isabel Machado Rios

Das Fuchsbau eignet sich meiner Meinung nach für alle Menschen, die elektronische Klänge mögen, sich gerne zu alternativen Sounds bewegen und auch mal zu hartem Techno tanzen wollen. Andere Musik ist eher weniger vertreten, aber wenn man* etwas sucht, findet man* auch die. Das Festival lädt aber nicht nur zum Entspannen und Chillen ein, sondern stößt auch Gedanken an, verdreht einem den Kopf in verschiedene Richtungen und erschafft Räume für spannende Diskurse.
Im Endeffekt ist das Fuchsbau Festival eine kleine Bubble. Eine Bubble, die diverses Programm bietet, die einen sicheren Raum entstehen lässt und dazu einlädt sich dem voll und ganz hinzugeben. Wir sehen uns dann nächstes Jahr liebes Fuchsbau!

Artikel von Theodora Brad (erster Teil) und Lea Terlau (zweiter Teil)

Fotos von Isabel Machado Rios und Jan Helge Petri

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