Tipps für einen klimafreundlicheren Umgang mit digitaler Technik

Technik und Klima – das ist so eine Sache. Die einen versuchen mit digitaler Technik unseren Planeten zu retten, die anderen meinen, dass grade diese Mitschuld an der Klimakrise hat. Niemand kann jedenfalls abstreiten, dass wir unglaublich viel CO2 durch die Nutzung von digitaler Technik produzieren, unter anderem wegen unseres Umgangs mit dem Internet. Wie kann also jede*r einzelne die eigene Internetnutzung überdenken und verändern, um sich ein Stückchen klimafreundlicher zu verhalten?

Erst einmal zu den Hard Facts:

Aus dem Technikmagazin t3n digital pioneers erhalten wir u.a. folgende Informationen:

  • 978.000 Tonnen CO2 hat Facebook nach eigenen Angaben im Gesamtjahr 2017 verursacht.“
  • 200 Mrd. Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon und Co. laut einer Berechnung des Energieversorgers Eon. […] Zum Vergleich: Die Energie könnte sämtliche Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen ein Jahr lang versorgen.“
  • 23 Bäume müssten gepflanzt werden, um die CO2-Emissionen auszugleichen, die durch weltweite Suchanfragen aus Google.com innerhalb einer Sekunde entstehen.“

Was können wir also tun?

Klar, am effektivsten wäre es wohl, Suchmaschinen, Social Media und Streaming-Plattformen komplett abzuschwören. Am besten einfach den Internet-Vertrag kündigen und den Router zu verschenken. Aber erstens: Wer macht das schon? Und zweitens ist das Internet ja auch nicht ausschließlich böse. Deshalb hier ein paar Tipps, wie alle ohne großen Aufwand ihr eigenes Verhalten mit digitaler Technik klimafreundlicher gestalten können.

1. Schaltet W-LAN und die Mobilen Daten aus

Auch wenn der Bildschirm schwarz und ruhig da liegt: Deine Apps arbeiten im Hintergrund weiter und sind nach wie vor online. Deshalb ist es sinnvoll, sich anzugewöhnen die Internetverbindung auszuschalten, wenn man das Smartphone, Tablet etc. gerade nicht nutzt. Weiterer Vorteil dabei: Dein Akku hält dadurch ebenfalls länger.

2. Nicht jede Frage muss (von Google) beantwortet werden

Wir googeln wirklich jeden erdenklichen Scheiß. Wie heißt der Hauptdarsteller aus dem Film Milk? Und was bedeutet nochmal ‚frenetisch‘? Wieviel kostet eigentlich ein Hubschrauber? Und was sind eigentlich die absurdesten Google-Suchanfragen?
Manchmal können Google-Suchen natürlich wichtig sein, aber nicht alles, was wir uns im einen Moment fragen, ist so wichtig, dass wir die Antwort auch noch zwei Wochen später wissen. Fragt euch also: Brennt das, worüber ich gerade grüble wirklich so sehr, dass ich es unbedingt über eine Suchmaschine herausfinden muss? Gibt es nicht andere, klimafreundlichere Methode, um die Antwort zu erfahren? Es kann zum Beispiel auch sehr amüsant sein, beispielsweise auf einer Party solange alle Gäste nach der Antwort zu fragen, bis man eine bekommt, die zufriedenstellend ist.

3. Nutzt nachhaltigere Suchmaschinen

Wenn ihr etwas dann doch unbedingt googlen wollt oder müsst, gibt es nachhaltigere Alternativen zu Google, wie zum Beispiel Ecosia.org. Die Server der Suchmaschine werden ausschließlich durch Ökostrom betrieben und Ecosia spendet 80% der Erlöse an gemeinnützige Naturschutzorganisationen, die unter anderem Aufforstungsarbeit in Regenwäldern betreiben. Seit der Gründung 2009 hat die Suchmaschine nach eigenen Angaben, die auch jede*r auf der Startseite live mitverfolgen kann, c.a. 72 Mio. Bäume gepflanzt. Die Suchergebnisse von Ecosia stammen von Bing.com.

4. Schon wieder Netflix?

Ja, Netflix ist praktisch. Ich liebe die Plattform auch. Jedoch bemerke ich bei anderen und mir selbst, dass Serien und Filme manchmal nicht mehr als Hintergrundgeplätscher sind. Wenn es in der Wohnung zu ruhig ist oder einen sonntags der Chill-Modus einholt, klickt man sich durch die Streamingdienste und guckt sich wahllos Filme an. Zum Einschlafen gibt’s dann noch die Serie, die man schon zehn Mal gesehen hat und die weiterläuft bis sogar Netflix fragt „Guckst du eigentlich noch zu?“ und natürlich sind einem da längst die Augen zugefallen. Wie wäre es also, wenn man sich sonntags zum Auskatern auf einen einzigen Film beschränkt und zum Einschlafen wieder die alten Harry-Potter-Hörbuch-CDs ausgekramt werden, zu denen man eh viel besser einschlafen kann als zu aufgedrehten (aber natürlich trotzdem sehr geliebten) Serien.

5. Be smart: Apps für den Klimaschutz

Des Weiteren gibt es mittlerweile auch ganz coole Apps und Plattformen, die sich für eine klimafreundlichere Welt einsetzen. Hier ein paar Beispiele:

  • Mit Replace Plastic kannst du Barcodes von Produkten, die deiner Meinung nach unnötig in Plastik eingepackt wurden, scannen und somit mitteilen, dass du dir für dieses Produkt eine plastikfreie Verpackung wünschst. Deine Meldung wird dann an Küste gegen Plastik weitergeleitet und die schicken die gesammelten Beschwerden dann per Mail an die jeweiligen Hersteller*innen.
  • KleiderKreisel und Co.: Wer in Second Hand Shops nicht so recht fündig wird oder nicht die Zeit hat, lange durch die Läden zu streifen, kann auf Second Hand Onlineshops zurück greifen. Hier ist es außerdem möglich, Kleidung online zu tauschen. Eine kleine Gefahr bei diesen Apps ist jedoch, dass man aus Bequemlichkeit dazu neigt, zu viel oder Kleidung, die man eigentlich gar nicht braucht, zu kaufen.
  • Die App Foodsharing setzt sich gegen Lebensmittel-Verschwendung ein. Du hast überflüssige Lebensmittel abzugeben oder verreist und möchtest nicht, dass die Sachen im Kühlschrank verderben? Dann teile das den Menschen in deiner Umgebung über die App mit. Gleichzeitig kannst du einsehen, wer in deiner Nähe Lebensmittel loswerden möchte.
  • Bei Too Good To Go können Betriebe wie z.B. Backwarenläden übrig gebliebene Lebensmittel kurz vor Ladenschluss einstellen. Die Kund*innen können diese dann via PayPal oder Kreditkarte vergünstigt kaufen und direkt im Laden abholen. Eine Win-Win-Win-Situation sozusagen: Die Kund*innen können ein bisschen Geld sparen, der Betrieb generiert neue Kundschaft und es werden weniger Lebensmittel weggeworfen.

Amn. der Autorin: Übrigens ist das Thema der aktuellen Ausgabe des t3n Magazins „Tech for Future – Wie wir mit Technologie das Klima retten und gesünder leben“. Hier könnt ihr digital in die Ausgabe 57 reinblättern. Wenn das nicht ausreicht, kann man das Heft auch in mehr als 250 Coworking-Spaces durchblätten, die Standorte findet ihr hier.

Ein Artikel von Helena Tschau.
Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Helena Tschau.

Helena Tschau hat Szenische Künste in Hildesheim studiert und arbeitet nun für die Online Redaktion des Kultursenders SWR2. Außerdem ist sie verantwortlich für den Content, den ihr jeden Tag auf den Social Media Kanälen von .divers seht.
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