Was auffällt – dank Coronavirus

Durch Corona kommen einige Welten ins Schwanken. Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bleiben vorerst geschlossen, Großveranstaltungen sind abgesagt worden, es wird darum gebeten, Zuhause zu bleiben, Menschen erkranken, hamstern, bunkern, sind egoistisch. Doch eine gute Sache bringt die aktuelle Situation mit sich: Die ganzen Fehler unseres gesellschaftlichen Systems kommen endlich für alle sichtbar ans Licht. Fehler, auf die schon viele Menschen versucht haben, aufmerksam zu machen und die sonst nie Gehör finden.

Als erstes fiel der Rassismus auf. Plötzlich hielten einige Leute es für angebracht, asiatische Menschen, ob fremd oder bekannt, zu beschimpfen, zu meiden, zu verurteilen – unter dem Deckmantel des Coronavirus. Ich glaube, ich muss an dieser Stelle nicht erklären, wie dumm das ist.

Die Hamster-Epidemie

Als Nächstes begannen die plötzlichen Hamster-Einkäufe. Als der Virus in Europa ankam, verfielen die Leute in Panik und erlagen der wirren Vorstellung, sie würden verhungern und zu Grunde gehen, wenn sie nicht Unmengen an Klopapier, Dosen-Ravioli, Nudeln und vor allem DESINFEKTIONSMITTEL!!1!1! zu Hause hätten. Als diese Vorräte dann angehäuft waren, konnte man sich den weiteren Lebensmitteln widmen und kaufte alles Gemüse, alle Milchprodukte und was einem sonst noch so in die Hände fiel auf. Daraus ergeben sich gleich mehrere Probleme: 1.) Menschen, die auf bestimmte Hygienemittel wie Desinfektionsmittel angewiesen sind (aufgrund z.B. von anderweitigen Krankheiten), haben teilweise keinen Zugang mehr dazu. Das kann für einige lebensgefährlich werden. Ein anderes, strukturelles Problem, zeigt sich bei Einrichtungen wie den Tafeln. Diese erhalten nämlich weniger Spenden, da bei den Supermärkten, die die Tafeln beliefern, weniger übrig bleibt und weil Privatmenschen lieber bunkern als zu spenden. Für Leute, die auf solche Einrichtungen angewiesen sind, heißt das, dass sie an einem Tag vielleicht nichts essen können. Da kommt doch die Frage auf: Ist dann nicht auch das System ein bisschen fehlerhaft? Wieso sind die Tafeln überhaupt auf diese Spenden angewiesen und wieso wird das Essen nicht von den Landesregierungen (mit-)finanziert? Eine Regierung sollte sich ja schließlich um alle Menschen kümmern, auch, oder vielleicht sogar besonders, um die, die weniger haben als andere.
Falls ihr merkt, dass ihr euch doch auch ein wenig von der Panik habt anstecken lassen und zu viel gekauft habt, spendet die überschüssigen Lebensmittel doch bitte an die Tafeln!

Homeoffice und Sonderurlaub

Dann wurde die Bevölkerung gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben. Wörter wie Homeoffice und Sonderurlaub flogen durch den Raum. Ja, für manche ist es möglich Zuhause zu bleiben, entweder im Homeoffice oder sie werden eben freigestellt. Aber es gibt sehr viele Menschen, die in Arbeitsverhältnissen stecken, in denen sie nur für ihre tatsächliche Arbeit bezahlt werden. Selbstständige, Kurzzeitbeschäftigte, Mini-Jober*innen, Künstler*innen… Oft sind es auch gerade die Menschen, die extrem auf ihr (oftmals geringes) Einkommen angewiesen sind. Wenn sie nicht arbeiten, aus welchen Gründen auch immer, werden sie nicht bezahlt. Wenn sie wegen Corona nicht mehr zur Arbeit dürfen, werden sie nicht bezahlt. Wenn sie selbst erkranken, werden sie nicht bezahlt. Solche Arbeitsverhältnisse sollte es nicht geben. Egal, ob gerade ein Virus viral geht oder nicht. Arbeitnehmer*innen müssen abgesichert sein, wenn sie mal ausfallen – vor allem wenn die Situation so unsicher ist, wie sie es momentan auf Grund des Virus ist.
Vor ein paar Tagen wurde übrigens vom Sänger David Erler eine Petition ins Leben gerufen, die sich einem Teil dieses Problems annimmt. Es werden Unterschriften gesammelt, um zu erwirken, dass sich der Deutsche Bundestag und das Finanzministerium mit einer Möglichkeit zur Unterstützung von Freiberufler*innen und Künstler*innen auseinandersetzen muss. Außen vorgelassen werden hier leider alle Mini-Jober*innen und Kurzzeitbeschäftigte bzw. Menschen, die anderweitig tätig und nicht durch ihr Arbeitsverhältnis abgesichert sind. Eine Unterschrift lohnt sich trotzdem 😉

Schulen und Kitas schließen

Und jetzt wurden Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen vorerst geschlossen. Das bedeutet: Die Kinder bleiben von nun an für mehrere Wochen Zuhause und müssen dort beaufsichtigt werden. Viele Eltern sind berufstätig, oft auch beide Elternteile. Einige Elternteile sind alleinerziehend und Alleinverdiener*innen. Für die meisten Eltern ist eine Halb- oder Ganztagsbetreuung von essenziellem Wert. Viele von Ihnen fragen sich nun: Was mache ich mit meinem Kind?! Was man sich aber in dieser Situation auch fragen kann ist folgendes: Wieso sind soziale Jobs wie Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen etc. so schlecht bezahlt, wenn man doch nun mehr denn je sieht, wie verdammt wichtig diese Jobs für alle sind? Wieso werden solch wichtige Arbeiten nicht schon längst besser bezahlt? Natürlich würde das die jetzige Situation vermutlich nicht ändern. Aber dennoch: Wenn so viele Menschen auf die Betreuung ihrer Kinder so sehr angewiesen sind, wieso werden diese Berufe dann nicht auch besser entlohnt?

Sparmaßnahmen beim Krankenhauspersonal

Was wir jetzt vermutlich am meisten zu spüren bekommen, sind die Sparmaßnahmen an unserem Gesundheitssystem. Angesichts des vermutlich länger andauernden Kampfs gegen das Coronavirus droht eine Knappheit an Personal in Krankenhäusern. In Intensivstationen sei die Ressource Mensch knapp, sagte Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, laut der Tagesschau. Und da nicht alle Mitarbeiter*innen für die Intensivstation geschult sind, könnte es gerade in diesen Stationen nach einer Zeit zu einem akuten Mangel kommen. Da bringt es auch nichts, dass deutsche Krankenhäuser hinsichtlich räumlicher und technischer Ausstattung gut ausgerüstet sind. Gespart wurde in den letzten Jahren leider am Personal.

Die Sache mit den Fake-News

Und zu guter Letzt möchte ich auf ein weiteres Nebenprodukt der Krise und damit auf ein weiteres Problem hinweisen: Die Fake-News-Verbreitung via Social Media und WhatsApp. Soziale Netzwerke können in Situationen wie der aktuellen sehr hilfreich sein und das möchte ich ihnen auch nicht abstreiten. Auch die Unternehmen reagieren schon gezielt darauf, dass ihre Plattformen für die Verbreitung von Falschinformationen genutzt werden. So hat Facebook zum Beispiel eine Infobox installiert, die Menschen im News Feed mit Informationen der staatlichen Gesundheitsbehörden zum Coronavirus versorgt. Twitter führt Nutzer*innen, die nach Informationen zum Virus suchen, zu einer Seite, auf der Informationen von Gesundheitsbehörden geteilt werden und erweitert sogar zudem seine Policy, nach der Menschen nicht diskriminiert werden dürfen, um die Kategorie Krankheit. YouTube lenkt seine Nutzer*innen in der Suche derweil zu Informationen der WHO.
Doch das Problem momentan heißt WhatsApp. Der Dienst ist schon in der Vergangenheit oft negativ aufgefallen, wenn es um die Verbreitung von Falschinformationen ging. Und auch jetzt wieder werden Nachrichten gestreut und weiterverbreitet, in denen es heißt, Supermärkte würden demnächst schließen oder nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten haben oder in denen von ominösen Wunderheilmitteln gegen das Virus bzw. die Krankheit Covid-19 berichtet wird. Solche Nachrichten sind falsch und schüren Panik. Wenn ihr dennoch verunsichert seid, dann zieht weitere Quellen hinzu. Überprüft die vom Absender genannte Quelle und schaut, ob da wirklich das drinsteht, was in der Nachricht behauptet wurde. Oft werden einzelne Zitate aus dem Zusammenhang gerissen. Überlegt auch, woher euch die Nachricht erreicht hat und beruft euch auf verlässliche Quellen wie seriöse Medien, Behörden oder Ministerien. Wenn ihr eine Nachricht bekommt, deren Inhalt ihr für falsch, unzureichend oder problematisch findet, leitet sie nicht weiter. Dasselbe gilt, wenn ihr euch nicht 100% sicher seid, ob die Informationen in der Nachricht korrekt sind

Viele Fragen, wenig Antworten – ich weiß, ich weiß. Momentan steht überall, man solle die Situation ernst nehmen, aber nicht in Panik geraten. Das sehe ich genauso. Und die Situation ernst zu nehmen, heißt auch, sich diesen Fragen und Problemen zu stellen und nicht nur Übergangslösungen zu finden.

Bleibt gesund und Hände waschen nicht vergessen!

Ein Artikel von Helena Tschau
Titelbild by Michal on Unsplash

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