Was ist eine sexpositive Party?

Was in Berlin schon seit Jahren Teil des Nachtlebens ist, kommt nun auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus: Auch in anderen deutschen Städten finden „sexpositive Partys“ statt.

Für die meisten klingt sexpositiv (oder kurz: 6+) vielleicht erstmal nach dunklen Räumen in denen einsame Menschen nach anderen einsamen Menschen tasten und dann irgendwie wahllosen Sex haben.

Geht man dort einfach hin, um Sex zu haben?

Nein! Auf den gut organisierten und durchdachten Partys ist Sex nicht das zentrale Thema, aber es gibt Orte, an denen man ihn gerne ausleben darf. Was im Vordergrund stehen sollte:

Konsens.

Alles ist erlaubt – so lange es alle beteiligten möchten und zustimmen. Eine Person, die zu betrunken oder high ist, kann nicht mehr zustimmen. Wenn jemand etwas auf einmal nicht mehr möchte, zu dem er oder sie eigentlich zugestimmt hatte, ist es zu jedem Zeitpunkt in Ordnung, sich umzuentscheiden.

Awareness.

Auf manchen Partys gibt es ein Awareness-Team, das ein Auge auf alles hat: Ist jemand zu betrunken, ist jemand aufdringlich, sind zu viele Männer im Darkroom… Manchmal hat das Awareness-Team zum Beispiel eine Lichterkette um den Hals oder ist durch ein bestimmtes T-Shirt zu erkennen. Es gibt bei den meisten Partys auch eine Selektion – das heißt, es wird darauf geachtet, dass alle auch ein bestimmtes Outfit anhaben und nicht auf einmal zehn Typen in Anzügen auf der Tanzfläche stehen.

Manchmal werden auch Fragen gestellt, ob man mit dem Konzept von sexpositiven Partys vertraut ist oder warum man hier ist. Wenn die Antwort „nur für Sex“ ist, heißt das leider, dass du das Konzept nicht verstanden hast und es heute keine Party für dich gibt.

Toleranz.

Jeder Körper ist zu respektieren. Das heißt, sich selbst so feiern zu dürfen, wie man sich wohl fühlt und keine Angst haben zu müssen, dass andere eine*n dafür verurteilen oder aufgrund der eigenen Freizügigkeit belästigen. Männer im Kleid, Frauen oben ohne, Leder/Polyester/Seide/nackte Haut – alles geht und alles ist gut. Es geht auch darum, die Realität der Geschlechter- und sexuellen Vielfalt öffentlich zu machen.

Aufklärung.

Auf manchen Partys gibt es auch Infostände, an denen man sich beispielsweise über BDSM (Bondage, Sadomaso: Sexpraktiken, die Fesseln und das abgesprochene Zufügen von Schmerzen einschließen, um dadurch Lust zu gewinnen) informieren kann oder auch wie Krankheiten übertragen werden. Kondome stehen meistens überall bereit und werden manchmal auch schon am Eingang verteilt.

Selbstbewusstsein und Selbstermächtigung

Es geht bei diesen Partys also um das Feiern des eigenen Körpers und der Sexualität. Für ein paar Stunden wird ein Schutzraum erschaffen. Nach dem Besuch dieser Partys hatte ich meistens das Gefühl, mein Selbstbewusstsein neu gestärkt zu haben und ein deutlicheres Gespür dafür zu haben, was ich will und was nicht. So gehe ich zum Beispiel auch auf Menschen zu, die ich attraktiv finde und warte nicht erst darauf, dass sie den ersten Schritt machen. Gerade für Menschen, die Erfahrungen mit sexuellen Grenzüberschreitungen machen mussten, bedeutet eine sexpositive Party oft, sich wieder selbst zu ermächtigen: ich treffe die Entscheidungen, ich werde respektiert, ich kann anziehen, was ich will und werde nicht belästigt.

Informiere dich vorher über die Party

Was am Schluss trotzdem noch zu bemerken ist: das ist alles der Idealfall. Nicht alles, was sich sexpositiv nennt, ist es das auch. Und selbst auf gut organisierten Partys kann es leider zu Vorfällen kommen – ich würde allerdings behaupten, deutlich seltener und wenn wirklich etwas passieren sollte, werden Menschen da sein, die unterstützen und helfen können.

Trotzdem kann ich nur raten: Informiert euch vorher, wie die Party sich selbst versteht. Gibt es ein Konzept? Gibt es Regeln? Gibt es ein Awareness-Team? Wie wirken die Veranstalter*innen? 

Es geht schließlich darum, diese Partys zu feiern, weil sie Spaß machen. Aber auch, damit man darüber hinaus etwas über sich und den Umgang mit anderen lernt – Respekt vor sich und anderen, Offenheit, Spaß am eigenen Körper, ein Bewusstsein dafür, wie unterschiedlich und divers Körper sein können.

Ein Artikel von Laura Baertle
Titelbild by Pim Myten on Unsplash

Laura Baertle studiert seit kurzem Sprachkunst in Wien und schreibt vor allem längere Geschichten oder Texte fürs Theater. Sie beschäftigt sich derzeit vor allem mit Feminismus, (Klima-)Aktivismus, Literatur und Musik.

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