Die Corona Krise und Verschwörungstheorien – Eine Gefahr für die Demokratie?

Verschwörungstheorien haben Konjunktur und scheinen immer mehr Raum im gesellschaftlichen Leben und den sozialen Medien einzunehmen. Doch stellen Verschwörungsmythen und Falschmeldungen eine Gefahr für unsere Demokratie dar?

Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen. Schon lange wird Misstrauen genutzt, um sich mit erfundenen Behauptungen gegen eine bestimmte Gruppe zu richten. Verschwörungsmythen bauen ein Feindbild gegen eine Person oder Gruppe auf, der böswillige Machenschaften unterstellt werden.

Die derzeitige Pandemie löst bei vielen Menschen Sorgen und Zukunftsängste aus. Damit stellt sie den perfekten Nährboden für Verschwörungstheoretiker*innen dar. In unsicheren Zeiten, wie der Corona Krise, verbreiten sich Falschmeldungen und Verschwörungsmythen schnell, da der eigene Kontrollverlust auf diese Weise kompensiert werden kann. Verschwörungstheorien können Halt geben, da sie die komplexe Welt vereinfachen und einen Schuldigen für die aktuelle Situation liefern. Komplizierte Sachverhalte lassen sich so in einfache Erklärungsmuster einordnen.

Nehmen wir das Beispiel Bill Gates. In der Corona Krise haben Verschwörungstheoretiker*innen sich ein neues Feindbild aufgebaut. Microsoft Gründer Bill Gates engagiert sich mit seiner Bill & Melinda Gates Stiftung seit Jahren in Gesundheitsprojekten und der Impfstoffentwicklung. Zudem ist Gates ein Großspender der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Für Verschwörungstheoretiker*innen ist dies ein gefundenes Fressen. Unter dem Namen „Gates kapert Deutschland!“ findet sich ein Video des Bloggers Ken Jebsen, das bereits millionenfach aufgerufen wurde. Dort macht Jebsen mit falschen Behauptungen Stimmung gegen den Microsoft Gründer und beschreibt, wie Bill Gates und seine Ehefrau Melinda Gates die Regierungen, WHO, Medien und Virologen in der Corona Krise kontrollieren. Mit irreführenden Behauptungen und Falschaussagen kreiert Jebsen die große Corona Verschwörung.

Verschwörungsmythen bauen ein Feindbild gegen eine Person oder Gruppe auf, der böswillige Machenschaften unterstellt werden.

Mal ist Bill Gates für die Verbreitung des Corona Virus verantwortlich, mal wird behauptet, Covid-19 sei eine Erfindung des Kapitalismus und wieder andere führen die derzeitigen Kranken- und Todeszahlen auf 5G-Handystrahlen zurück. Unterstützt wird die Verbreitung durch soziale Netzwerke wie Instagram, YouTube und Facebook, auf denen Personen des öffentlichen Lebens die Verschwörungstheorien an ihre Follower*innen weitertragen. Soziale Medien tragen damit maßgeblich zur Radikalisierung bei und befördern die massenhafte Verbreitung von Falschmeldungen.

Durch die mediale Aufmerksamkeit werden Verschwörungstheorien salonfähig, sodass es derzeit immer wieder zu Demonstrationen kommt, in denen die Teilnehmer*innen gegen Bill Gates, Impf- und Maskenpflicht oder die Einschränkung ihrer Grundrechte demonstrieren. Gefährlich ist dabei, dass sich unter die Demonstrationen Radikale mischen, die versuchen, die Demonstrant*innen für ihre eigenen Ziele zu instrumentalisieren. So erreichen insbesondere rechtsextreme Verschwörungstheoretiker*innen vermehrt Personen, die eigentlich in der Mitte der Gesellschaft stehen.

Natürlich sind Beschränkungen wie Maskenpflicht und Kontaktverbote ein Eingriff in das persönliche Leben. Und es ist ebenfalls nachvollziehbar, dass durch die aktuelle Situation ein Gefühl von Unsicherheit und Kontrollverlust entstehen kann. Dennoch kann es nicht der Ausweg sein, dass bestimmte Gruppen als Sündenbock für die Corona Pandemie herhalten müssen. Die Auflehnung gegen die Vorschriften gefährdet Personen in der Risikogruppe zusätzlich, dabei sollte die Gesundheit dieser Menschen an erster Stelle stehen.

Soziale Medien tragen maßgeblich zur Radikalisierung bei und befördern die massenhafte Verbreitung von Falschmeldungen.

Nun haben wir aufgrund unseres Gehirns leider den Drang dazu, Kausalbeziehungen und Zusammenhänge aufdecken zu wollen. Wie der Philosoph Alexander Grau dem Magazin „Cicero“ berichtet, sehen wir Muster und Zusammenhänge auch dort, wo es überhaupt keine gibt. Unser Gehirn bastelt munter zufällige Ereignisse zu scheinbar sinnvollen Geschichten zusammen.

Der Mensch greift bei der Suche nach der tief verborgenen Wahrheit immer wieder auf alte Stereotypen zurück. Verschwörungstheorien kommen zu allen Zeiten und in allen menschlichen Gesellschaften vor und haben ihre Anfänge bereits in der Antike, dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Im Mittelalter wurde bestimmten Bevölkerungsgruppen wie den Juden oder vermeintlichen Hexen unterstellt, Unheil über die Gesellschaft zu bringen. In Zeiten der Kreuzzüge unterstellte man den Juden eine geheime Verbündung mit den Muslimen und auch die Pest wurde auf angebliche Brunnenvergiftungen durch Juden zurückgeführt. Die Verfolgung von Frauen, die man als Hexen denunzierte, folgte einem ähnlichen Muster. In der Neuzeit plagten Krisen wie pandemische Seuchen, Missernten und Kriege die Bevölkerung. Für das Unglück der Bevölkerung wurden „Hexen“ verantwortlich gemacht, die als Schuldige dienten.

Auch in den darauffolgenden Epochen gab es Verschwörungstheorien. Auffällig ist dabei, dass immer wieder auf die gleichen Feindbilder zurückgegriffen wird. So wurden die Juden auch im 20. Jahrhundert wieder zur Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern, die den jüdischen Gemeinden eine Weltverschwörung unterstellten. Diese Verschwörungstheorien wurden auch im zweiten Weltkrieg genutzt, um die Ausrottung des jüdischen Volkes zu rechtfertigen.

Es ist der falsche Weg, Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, als Spinner darzustellen.

Sogar in Zeiten der Corona Pandemie wiederholen sich diese stereotypischen Feindbilder. Eine der Verschwörungsmythen geht beispielsweise davon aus, dass hinter der Pandemie ein amerikanisch-jüdischer Komplott steckt, der die Dezimierung der Weltbevölkerung zum Ziel hat. Andere rechtsextreme Gruppen unterstellen Israel, die Krankheit zu steuern und von einem bereits erfundenen Impfstoff profitieren zu wollen.

Wie die Historikerin Hedwig Richter dem Deutschlandfunk in einem Interview sagt, sind Verschwörungstheorien ein Minderheitenphänomen, die eine Demokratie nicht gefährden könne. Demokratie lebe von kritischen Geistern und Kritik, aber auch ganz stark von Transparenz. Daher ist es umso wichtiger, dass auch die Regierung die Ängste der Bürger*innen wahrnimmt und Mythen und Falschinformationen mit Informationen und Fakten entgegenwirkt.

Es ist der falsche Weg, Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, als Spinner darzustellen. Wir sollten versuchen, verunsicherten Menschen mit Verständnis und Respekt zu begegnen und in einen gemeinsamen Dialog zu treten. Immerhin ist uns meist nicht bewusst, in was für einer Situation sich unser Gegenüber befindet und aus welchen Motiven der Glaube an Verschwörungstheorien entstanden ist. Falschmeldungen und Halbwahrheiten können in einer schwierigen Situation großen Einfluss auf eine instabile Person haben. Jemandem zu begegnen, der/die ein offenes Ohr für die Sorgen hat, kann manchmal schon hilfreich sein.

Ein Artikel von Thea Darrelmann
Titelbild von Omni Matryx auf Pixabay

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