Hannah Gadsby: Comedy ist Kunst

Falls es wirklich Fans der Netflix-Stand-Up-Specials gibt, die die offen lesbische, australische Comedienne Hannah Gadsby noch nicht kennen – es ist nie zu spät! Tretet ins Licht!

Vor allem ist ihr 2019er Programm „Douglas“, das es über Netflix zu sehen gibt, quasi zeitlos. Darin geht sie mit Impfgegner:innen ins Gericht. Was solle ihr denn auch großartig passieren, sie sei ja schon autistisch. Dabei trägt sie ein blaues Ringelshirt mit einem einzelnen, roten Streifen, der aus der Reihe tanzt. So, wie sie aus der Reihe tanzt – und passend zu ihrem Shirt erst einmal „Wo ist Walter?“ beleidigt. Hannah Gadsby bricht konstant mit dem, was man erwartet. So vergleicht sie zunächst australische mit amerikanischen Wörtern – und rutscht dennoch nicht in eine Standardnummer über die englische Sprache ab.

„Douglas“ beginnt also auf jeden Fall unerwartet leicht, hat man doch noch die Schwere und das Künstlerische von „Nanette“ im Hinterkopf. Aber keine Sorge, der kunsthistorische Aspekt kommt auch in „Douglas“ nicht zu kurz – Gadsby analysiert beispielsweise, wie absurd Frauen in alten Bildern dargestellt werden (meistens als Trio, nackt). Immerhin schloss sie 2003 ihr Studium der Kunstgeschichte und Kuratoriums an der Australian National University ab. Drei Jahre später gewann sie das Finale der Show „Raw Comedy“. Neben ihrem normalen Stand-Up trat sie immer mit witzigen Vorträgen zu Kunstaspekten dort auf, wo es am besten passt – im Kunstmuseum. Aber auch im Fernsehen und Radio.

„Nanette“ schließlich erreichte 2018 durch die Verfügbarkeit via Netflix eine so große Popularität, dass man natürlich an den Nachfolger aus dem Jahre 2019 entsprechende Hoffnungen hatte. Diese bricht Gadsby, in dem sie vorab ihr Programm erklärt, in bester Comedytheorie – die Regeln dafür machten schließlich die Männer, sie könne nichts dafür.

„Yes, I read Taylor Swifts work. […] I understand that haters gonna hate, hate, hate, hate, hate.“

Überhaupt machten Männer ja alles und benannten auch alles. Feminismus trieft nicht nur aus jedem Haupt-, sondern auch Nebensatz. Genauso messerscharf sind ihre Schimpfwörter und Beleidigungen gewählt. Aus einer Wut heraus, die laut einem (selbstverständlich cis-männlichen) Ersatzgynäkologen eigentlich nur von ihren Hormonen kommen kann. Ha! Wie gerne Männer diese geheimnisvollen Hormonschwankungen als Grund nehmen …

Ende 2021 dürfen wir uns auf ihr Buch „Zehn Schritte Richtung Nanette“ im Rowohlt Verlag freuen. Und vielleicht erlaubt die Coronasituation ja sogar eine neue Comedytour …


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Simone Bauer (cis/weiblich) debütierte 2011 im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag und hat seitdem sechs Romane veröffentlicht, zuletzt 2018 „Butterflies – Die Göttin wird sich erheben“ mit einer Baby Butch in der Hauptrolle. Sie veröffentlichte zudem Kurzgeschichten bei verschiedenen Verlagshäusern und arbeitet als Journalistin für Online, Print und Radio, unter anderem für die MISSY. Ihrer Leidenschaft, über japanische LGBT- und Popkultur zu schreiben, geht sie bei den Magazinen des Raptor Verlags nach.

Ein Text von Simone Bauer

Titelbild von Netflix by Ali Goldstein

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