„Kiss Me Kosher“ – Vom Missverständnis zum Heiratsantrag

Shira (Moran Rosenblatt) und Maria (Luise Wolfram) sind ein Paar. Maria kommt aus Deutschland, arbeitet als Biologin in Jerusalem und hat dort die Barbesitzerin Shira kennengelernt. Die beiden sind erst seit ein paar Monaten zusammen, dennoch ziehen sie direkt in eine gemeinsame Wohnung. Jedenfalls ist das der Plan. Aus einem Missverständnis entsteht ein Heiratsantrag und schon beginnt eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Shiras Oma ist hip. Die beiden reden über Waxing und sie hat nichts dagegen, dass ihre Enkelin Frauen datet. Als sie allerdings erfährt, dass Shira eine Deutsche heiraten will, versucht sie mit allen Mitteln die Verlobung zu verhindern. Sie ist Überlebende der Shoa und kann es nicht hinnehmen, dass Shira Maria heiraten möchte.

Die Familien akzeptieren das Paar

Der Regisseurin und Drehbuchautorin Shirel Peleg gelingt eine differenzierte Darstellung von Shira und Maria. Es ist schön, eine lesbische Beziehung in einem Film zu sehen, ohne dass der Fokus nur auf der Homosexualität der Figuren liegt. Die Familien akzeptieren das Paar, dennoch wird zu Beginn des Films gezeigt, wie die beiden von vorbeigehenden Passanten homofeindlich verbal angegriffen werden. Der Film tut nicht so, als ob Homofeindlichkeit nicht existieren würde, er gibt der Reproduktion davon aber nicht viel Raum.

Shira hätte in einigen Sequenzen etwas weniger geschriebene Coolness gut getan. Es kann aber auch sein, dass die deutsche Synchronisation hier dafür die Ursache ist und dass die Coolness in den originalen Sprachen authentischer wirkt. Insgesamt wäre es interessant zu sehen, wie mit den verschiedenen Sprachen umgegangen wird, da in der Originalversion Englisch, Deutsch, Hebräisch und Arabisch gesprochen wird.
Sehr auffällig wird die Synchronisation als Maria mit ihren Eltern auf Deutsch spricht. Die Mundbewegungen passen auf einmal zu dem Ton und es ist spannend, diesen Wechsel so bewusst mitzubekommen.

Das Klischee des deutschen Bildungsbürger:innentums

Ein interessantes Spannungsverhältnis entsteht, als Marias deutsche Eltern nach Israel kommen, um die Verlobte ihrer Tochter und deren Familie kennenzulernen.
Die Eltern sind das Klischee eines deutschen Bildungsbürger:innentum-Pärchens. Sie sind gegen das Militär, besuchen während ihres Aufenthaltes ein Geflüchtetenlager und brauchen die Bestätigung, dass sie nichts für die Taten ihrer Nazi-Eltern können. Humorvoll wird gezeigt, wie Shiras Mutter Marias Mutter emotional auffangen muss, als diese sich mit ihren Vorfahren in einem Holocaust-Museum konfrontiert sieht.

Love always wins

„Kiss Me Kosher“ ist eine klassische romantische Komödie (RomCom). Es geht um Liebe, Hochzeit und Familie.
Es geht um transkulturelle Beziehungen und um ihre Schwierigkeiten, die durch gesellschaftliche Erfahrungen und Erwartungen entstehen können.
Und damit ist es eben doch keine klassische RomCom. Das Paar um das es sich handelt, ist lesbisch, die eine ist israelische Jüdin, die andere Deutsche. Es geht um eine Liebesbeziehung, die noch jung ist, aber so stark, dass sie gesellschaftliche Normen und persönliche Traumata überwinden kann. Der Film verarbeitet viele der politischen Themen in den dargestellten Beziehungen. Insgesamt ist auffällig, dass kaum eine Person nur einmal auftritt: die Exfreundin von Shira ist die Hilfspolizistin, der Freund der Oma Arzt und zwischendurch spielt immer die gleiche Band Live-Musik.

Es dreht sich viel um die Frage der Schuld und wie Deutsche mit der Schuld ihrer Vorfahren umgehen. Beim Schauen des Films und auch beim Schreiben dieser Rezension bin ich selbst sehr mit der Schuld auch meiner Ur-Großeltern konfrontiert worden.
„Kiss Me Kosher“ ist ein Film, der viele wichtige Themen humorvoll behandelt. Er gibt einem als Zuschauer:in den Raum, ambivalent den Entscheidungen der Hauptpersonen gegenüberzustehen und greift dabei clever verschiedene Tropen auf.

Der Film lief im September letzten Jahres an und ist nun beim X-Verleih auf DVD erhältlich und kann bei verschiedenen Streamingportalen gekauft und ausgeliehen werden.

Eine Rezension von Rebekka Theis
Bild mit freundlicher Genehmigung vom X-Verleih

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