Chequer on a dot pattern – Eine Fotoserie

Inspiriert von dem Zusammenspiel zwischen körperlichem und sozialem bzw. erlebtem Geschlecht, begann Franciska Grill mit der Arbeit an dieser Fotoserie. „Mein Körper hat bestimmte, sichtbare Geschlechtsmerkmale aber bin ich wirklich Frau* weil ich so fühle oder habe ich aufgrund meines weiblichen Körpers gelernt, Frau* zu sein? Wie sehr beeinflusst mein Körper und die Reaktionen der Außenwelt darauf meine Gender-Identität und wie finde ich diese überhaupt heraus?“ 

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden mehrere Personen, die sich nicht als cis und/oder binär identifizieren, porträtiert. In den Texten beschreiben die fotografierten Personen ihre Wahrnehmung von Geschlecht, welche Schritte sie gebraucht haben, um zu sich selbst zu finden und welche Hürden damit verbunden sind:

Chequer on a dot pattern
„Wenn man versucht sein nicht-binäres Geschlecht in einer binären Welt auszuleben, wird es immer Konflikte geben. Du kannst kein Schachbrettmuster auf ein Punktmuster legen und denken, es funktioniert. “

Toni

Da wir nach wie vor in einem einschränkenden, binären Geschlechtersystem leben, möchte Franciska Grill mit ihrem Projekt einen Beitrag leisten, um dieses ein Stück weit aufzulösen:
„Ich will mit meiner Arbeit zeigen, wie viel Potential sich entfaltet wenn Mensch die binären Kategorien und die damit verbundenen Erwartungshaltungen hinter sich lässt und bei sich selbst ankommt.“

Mensch vor weißer Wand schräg zur Kamera und nur bis unter die Schultern im Bild

H E R A
K A L O N I K I D O U
F O N T A I N E
„Ich habe ehrlich gesagt noch nie drüber
nachgedacht was ein Geschlecht für mich
ausmacht, mir war das immer ziemlich egal.“

  • Grinsender, stehender Mensch auf Balkon, linke Hand in die Hüfte gestützt
  • Lachender Mensch auf Balkon, Hand bedeckt halbes Gesicht
  • Grinsender Mensch ist über geöffnete Spülmschine gebeugt und schaut in die Kamera

So wie sich ein Mensch fühlt, identifiziert, mir gegenüber äußert und sich vorstellt, nehme ich das Geschlecht von jemand Anderem wahr.

Bei mir selber ist meine Zufriedenheit mit meinen Geschlechtsorganen und meiner Sexualität der Grund, warum ich mich selber als Frau definiere. Durch mein maskulines Auftreten und meine tiefen Stimme habe ich oft Ablehnung erlebt oder komische Blicke kassiert, das hat mich eigentlich nur noch stärker und erwachsener gemacht und mich nicht wirklich negativ beeinflusst.


Tino Porträt Oberkörperfrei

V A L E N T I N
B E R N S T E I N E R

„Alleine lackierte Fingernägel waren ein
Problem für meine Eltern. Das hat mich
sehr beschäftigt.“

1. Mensch auf Couch in der Hocke 2. Mensch am Schreibtisch sitzend

Ich identifiziere mich vorrangig als Mann.

Gelegentlich bediene ich mich an femininer oder nicht-binärer Kleidung. Den Drang dazu hatte ich schon als Kind. Umso älter und selbstbestimmter ich werde, desto mehr übe ich diese Neigung aus.

  • Mensch auf Couch mit übereinandergeschlagenen Beinen
  • nackter Mensch hält sich die Hände an die Wangen
  • Mensch steht vor Couch, Shcultern nach hinten gestreckt Blick Richtung Kamera

„Momentan spielt meine Geschlechtsidentität keine große Rolle für mich. Das war früher anders.“

Für meine Eltern war es ein Problem, wenn ich mich femininer gezeigt habe. Mittlerweile kann ich mich von der Meinung, die meine Eltern gegenüber meinem Aussehen haben, gut abgrenzen.
Sich weiblich anzuziehen kommt in meinem Umkreis gut an, auf der Straße oder in der U-Bahn ist es jedoch des Öfteren passiert, dass Personen über mich tuscheln, sich gegenseitig auf mich aufmerksam machen und mit dem Finger auf mich zeigen.


L U ĺ
„Geschlecht ist weit komplexer als der Körper. Körperteile können mich nicht musikalisch, introvertiert oder politisch interessiert machen. Genau so wenig können sie mich zu einer Frau oder einem Mann machen. Mein Geschlecht ist weitaus mehr, als ich in Worte fassen kann.“

„Ich bin eine transmaskuline, nicht-binäre Person. Hätte ich das Vokabular früher gehabt, hätte ich mich schon immer so identifiziert.“


In meiner Jugend habe ich mich sehr feminin präsentiert, aber ich glaube es lag mehr daran, dass Femininität als etwas gesehen wurde, das ausschließlich Frauen zusteht.
Es kostet viel emotionale Kraft, nie als das gesehen zu werden, was ich bin. Von Toiletten bis zu meinem Gewand, alles ist gegendert.
Als nicht-binäre Person werde ich von Fremden ständig in eine binäre Schublade gesteckt. Je mehr ich mich von gesellschaftlichen Normen befreie und mich selbst finde, desto stärker bin ich und liebe ich mich.

„Die Autonomie meinen eigenen Körper so zu verändern, dass er mit dem übereinstimmt, was ich in mir fühle, ist wortwörtlich lebensrettend für mich.“

Manche Trans*-Personen brauchen eine Geschlechtsangleichung, andere nicht. Das macht sie nicht mehr oder weniger valide. Ich persönlich habe es gebraucht. Hürden waren, dass ich dabei von medizinischen Professionellen abhängig war und diese können trans*feindlich sein.

Mehr von Luí findet ihr hier

Eine Fotoserie von Franciska Grill

Die weiteren Porträts erscheinen in nächster Zeit hier im Beitrag und auf Social Media.
Stay tuned!

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