Glossar

Auch bei .divers findet sich eventuell immer mal wieder der ein oder andere Begriff, den du noch nicht kennst. Deshalb findest du hier eine Reihe von Wörtern und Ausdrücken, die wir nutzen und die im Folgenden noch einmal kurz erklärt werden.

Sprache prägt unser Denken und unser Denken prägt unsere Sprache. Es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man Menschen, gesellschaftliche Verhältnisse und politische Positionen benennt. Genauso wichtig ist es auch, immer wieder zu hinterfragen, wieso man bestimmte Begriffe eigentlich benutzt. Reproduziere ich mit diesem Begriff veraltete oder reaktionäre Machtverhältnisse? Verletze ich jemanden mit meiner Wortwahl? Reduziere ich einen Menschen auf seine Herkunft, Religion, sein Aussehen oder Geschlecht? Aus solchen und ähnlichen Überlegungen heraus entstehen manchmal neue Begriffe, die sich anfangs ungewohnt anfühlen können oder vielleicht auch noch ein wenig sperrig klingen.

Da Sprache ständig im Wandel und unser Glossar noch lange nicht vollständig ist, ist dies kein festgeschriebenes Nachschlagewerk, sondern eine veränder- und ergänzbare Sammlung an Begriffserklärungen. Falls du unser Glossar also um einen weiteren Begriff ergänzen möchtest oder dir auffällt, dass eine Erklärung unvollständig ist, melde dich gerne bei uns.

A

Ally
Ally – oder auf deutsch Verbündete*r – ist eine Person, die nicht Teil einer marginalisierten Gruppe ist, sich aber für deren Rechte und Belange und somit gegen die Diskriminierung dieser einsetzt. Allyship geht mit einem hohen Maß an Reflexion der eigenen Privilegien und der Position in diskriminierenden Strukturen einher.
Im Kontext von Rassismus können z.B. weiße Menschen Allys für Personen of Color sein, in dem sie ihre Interessen unterstützen, sich selbst in konkreten Situationen vielleicht auch zurück nehmen und sich aktiv gegen Rassismus einsetzen. Dieser Allyship kann nur durch Kommunikation mit Rassismusbetroffenen existieren, sonst handeln weiße Menschen über die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen von Rassismusbetroffenen hinweg, bevormunden sie und versuchen sie zu „retten“. Ist dies der Fall sind sie „white savior“ (= weiße Retter*in) und keine Allys.
Arpana Aischa Berndt und Maja Bogojević bieten regelmäßig „How to be an Ally“ Workshops an.
Außerdem machen Arpana Aischa Berndt und Mine Wenzel Workshops zu „Let’s talk about Alliances“ und thematisieren die Frage, wie Allianzen zwischen verschiedenen Betroffenen Perspektiven geknüpft werden können.

B

Bi-Sexualität
Bi-Sexuell beschreibt eine sexuelle/romantische Orientierung. Die Aufteilung in ‚zwei‘ ist dabei aber falsch. Oft wird Bi so verstanden, dass man auf das gleiche Geschlecht sowie auf das andere Geschlecht steht, was das binäre System unterstützt/reproduziert. Jedoch umfasst Bisexualität/-Romantik auch andere Geschlechter, welche sich außerhalb des binären Systems von Mann und Frau befinden. Bisexualität bedeutet also, dass man sich zu mehr als einem Geschlecht, ob romantisch oder sexuell, hingezogen fühlt.
Bisexualität und Pansexualität (s. unten) werden im heutigen Diskurs auch oft zusammengeführt, jedoch sollte natürlich jede Person selbst für sich entscheiden, ob und wie sie sich labeln möchte, ob Pan oder Bi oder anders.

Body Positivity
BodyPositivity ging aus dem FatAcceptanceMovement als eine politische Bewegung hervor und setzt sich dafür ein, dass alle Körper so akzeptiert werden wie sie sind und dafür, dass Schönheitsideale und Körpernormen hinterfragt, kritisiert und durchbrochen werden. Dabei geht es an erster Stelle darum, dass marginalisierte Körper nicht ausgeschlossen und diskriminiert werden, sondern die gleichen Rechte, Chancen und Ressourcen haben können wie eben Körper, die der Norm entsprechen. Mittlerweile wird „Body Positivity“ aber als „Selbstliebe“ vermarktet und verliert dadurch viel von ihren Ursprungsideen und auch von ihrer Dringlichkeit.

C

Cis & Trans*
Beide Worte stammen aus dem Lateinischen (trans = jenseits von etwas; cis = diesseits von etwas). Eine Person die trans* ist wurde bei Geburt aufgrund vorherrschender, gegenderter Vorstellungen von Geschlecht in die falsche Geschlechterkategorie eingeordnet und in dieser erzogen – sie befindet sich jenseits der Geschlechtszuordnung bei Geburt. Dagegen befindet sich eine Person die cis ist diesseits der Geschlechtszuordnung bei Geburt, wobei eine Einteilung in zwei ausschließliche Geschlechterkategorien ohne Überschneidungsmöglichkeiten vermutlich auch für die meisten cis Personen nur bedingt das individuelle Geschlechtsempfinden widerspiegeln kann.

D

Dysphorie

Dysphorie ist ein Zustand emotionalen Belastens und Unwohlseins, der mehrheitlich bei trans* und nicht-binären Person*en vorkommen kann. Dieser agiert auf mehreren Ebenen, die sich miteinander verbinden können. Gender Dysphorie (auch: Körperdysphorie) betrifft direkt das Selbst und dessen Genderidentität*en im Kontext des eigenen Körpers. Person*en empfinden deren Präsenz als nicht übereinstimmend mit eigenen*m Gender*n und können deren Dasein als widersprüchlich empfinden. Um den Zustand des Unwohlseins zu beenden, entscheiden sich Person*en beispielsweise dazu, Binders zu tragen und*oder Hormontherapien und*oder Gender-angleichende Operationen zu durchlaufen.
Was mit Gender Dysphorie in Verbindung stehen kann (aber nicht muss), ist die Soziale Dysphorie, welche sich in diesem Kontext als ein Zusammenspiel von Körperdysphorie und den sozialen und gesellschaftlichen Räumen, in denen sich Person*en bewegen (müssen), darstellt. Die Rahmung dieser Räume sind immer auch auf gesellschaftlichen Normenver-ständnissen und Bildern von vermeintlichen Normalität*en aufgebaut, um es möglich zu machen Person*en zu kategorisieren und schließlich zu hierarchisieren. Das Abbild dieser Strukturen kann in sozialen Interaktionen wiedergefunden werden, die beispielsweise Risiken für jegliche Arten von Benennungen abweichend der eigenen Genderidentität*en und*oder Gewalt darstellen können und somit psychischen Druck für Mensch*en auslösen. Das Resultat davon kann das Vermeiden von Räumlichkeiten und schließlich sozialen Isolationsprozessen, sowie psychische Instabilitäten wie Erkrankungen sein.

Wichtig anzumerken ist abschließend, dass es nicht erforderlich ist, Dysphorien zu empfinden, um sich trans* und*oder nicht-binär zu identifizieren.

E

Empowerment
Empowerment (engl. Für Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung) sind Handlungen, die die Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften fördern und eine selbstverantwortliche und eigenmächtige Vertretung der eigenen Interessen ermöglicht. Zentral für das Verständnis von Empowerment ist, dass die Überwindung von Machtlosigkeit und Resignation nicht einfach vermittelt werden kann. Viel mehr ist es ein gemeinschaftliches Ergebnis von Menschen, die zusammen daran arbeiten, das Vertrauen in die eigenen Kräfte zu stärken.
Viele Artikel bei .divers handeln von Empowerment. Einer davon ist „Body Positivity oder Eine kurze Geschichte der Body Struggles“ von Laura Zielinski.

F

FLINT*
Diese Abkürzung steht für: Frauen*Lesben*Inter*Nicht-binär*Trans*. Wenn du dir noch unsicher bist, ob du dazu gehörst: Es spielt keine Rolle, ob du männlich oder weiblich gelesen wirst, sondern als wer du angesprochen und wahrgenommen werden möchtest. Im Grunde sollen alle Menschen angesprochen werden, die nicht cis-männlich sind und die von sich sagen, dass ihre Selbstbezeichnung nicht Teil der männlichen Norm ist. FLINT* Personen leiden primär unter patriarchaler Gewalt. Da es unpassend ist, diese Personengruppen als „nicht-cis-Männer“ zu bezeichnen (cis-Männer würden sich ja z.B. meist auch eher ungern als „nicht-Frauen“ bezeichnen lassen), verwenden viele diese Abkürzung, um alle Menschen mit einzuschließen, die gemeint sind.

G

Gender
Gender bezeichnet den Vorgang wie wir uns selbst und einander anhand gelernter sozialer und kultureller Codes in geschlechtliche Kategorien einteilen. Diese Codes können beispielsweise Kleidung, Körpersprache, Körperformen, Sprache etc. sein. Wie wir welche Codes in welche Geschlechterkategorie einteilen und vor allem in wieviele Geschlechterkategorien wir einteilen ist veränderlich und hat sich an unterschiedlichen Orten der Welt zu untersschiedlichen Zeitpunkten in der Geschichte bereits unzählige Male verändert. Aktuell ist an die Art und Weise wie wir gendern eine Wertung von Geschlechterkategorien hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zu sozialer, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Teilhabe geknüpft.
Mehr zum Thema findest du in Mine Wenzels Artikel Geschlechtlichkeit – oder warum die Trennung von Geschlecht und Gender problematisch ist.

gendern
Als Gendern werden sprachliche Maßnahmen bezeichnet, die dafür sorgen, dass eine gendergerechte bzw. -neutrale Sprache entsteht. Denn in der deutschen Sprache wurde bisher das generische Maskulinum verwendet. Durch Gendern soll also eine sprachliche Benachteiligung aufgehoben werden und alle Menschen sollen sich gleichwertig angesprochen und wertgeschätzt fühlen. Um auch andere Geschlechter oder Personen, die sich nicht auf ein Geschlecht festlegen wollen oder können, mit einzubeziehen, besteht die Möglichkeit, sie durch den Gender-Gap oder das Gendersternchen (z.B. Schüler_innen bzw. Schüler*innen), sichtbar zu machen. Manche Menschen schreiben auch hinter Wörter wie “trans” oder “inter” ein *, um zu zeigen, dass an das Wort verschiedene Endungen wie “-sexuell”, “-geschlechtlich” und “-gender” angehängt werden können.

Geschlecht
Geschlecht beziehungsweise Geschlechtsempfinden bezeichnet, wie sich eine Person selbst wahrnimmt. Im Gegensatz zur irrigen Annahme, dass Geschlecht körperlich bedingt ist, stehen Anatomie (Körperteile und Organe), genetische Ausstattung (Chromosomen) und endokrines System (Hormone) und Geschlecht in keinem kausalen Zusammenhang. Anders ausgedrückt: das Geschlecht eines Körpers wird vom Geschlechtsempfinden der Person bestimmt, die ihn besitzt – nicht der Körper bestimmt das Geschlecht der Person. Für manche Menschen ist die körperliche Ausstattung hinsichtlich ihres Geschlechtsempfindens wichtig, für andere spielt sie hingegen keine Rolle dabei.
Mehr zum Thema findest du in Mine Wenzels Artikel Geschlechtlichkeit – oder warum die Trennung von Geschlecht und Gender problematisch ist.

H

Heteronormativität
Unter Heteronormativität versteht man die Auffassung, dass Heterosexualität die Norm in unserer Gesellschaft bestimmt. Sie geht von einer binären Geschlechterordnung aus in der das Geschlechtermodell lediglich von einer dualen Einteilung in Mann und Frau definiert wird, die sich ausschließlich gegenseitig begehren und sich mit ihrem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren (Cis). Andere geschlechtliche oder sexuelle Identitäten wie beispielsweise Trans* Identitäten oder lesbisch, schwul, bi- oder pansexuell zu sein, wird auf Grund dieser Weltanschauung als Abweichung der Norm und somit auch oftmals als krankhaft bewertet oder anders diskriminiert. Homophobie, Transfeindlichkeit, Sexismus und andere Formen der sozialen Menschenfeindlichkeit werden dadurch geschürt und sind oftmals die Folge dieses Denkschemas.
Heternormativität ist ein zentraler Begriff der Queer Theory und stellt nicht nur die Annahme in Frage, es gäbe ausschließlich zwei gegensätzliche Geschlechter die sexuell aufeinander bezogen sind und die damit einhergehende Privilegierung von Heterosexualität, sondern analysiert und kritisiert anhand dessen auch Macht-, Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnisse.

I

Inter* & endo
Beide Worte stammen aus dem Lateinischen (inter = zwischen; endo = innerhalb) und beziehen sich auf die geschichtlich gesehen recht junge Vorstellung, es gäbe nur zwei Geschlechter. Personen die aufgrund aktueller, gegenderter (biologisch fragwürdiger) Vorstellungen von Geschlecht in eine dieser Kategorien passen, befinden sich innerhalb einer der so festgelegten Geschlechterkategorien – Personen auf die diese fragwürdige Einteilung von Körpern nicht hinreichend zutrifft, befinden sich zwischen diesen willkürlich festgelegten Kategorien. Eine inter*Person kann trans*, nonbinary oder cis sein – je nach dem in welchen Verhältnis ihr individuelles Geschlechtsempfinden zu ihrer Zuweisung bei Geburt steht. Viele inter*Personen erfahren im Laufe ihres Lebens übergriffige Gewalt, wie Zwangsoperationen (zum Teil schon im Kindesalter) oder aufgezwungene Hormontherapien (gerade bei inter*Sportlerinnen wird die Starterlaubnis an diskriminierende medizinische Eingriffe geknüpft). Diese Diskriminierungen dienen dazu, inter*Körper in binäre Kategorien, die als Norm betrachtet werden, einzupassen.

Intersektionalität
Mit Intersektionalität ist die Überschneidung von unterschiedlichen Diskriminierungsformen in einer Person gemeint. Ich nehme mich selbst mal als Beispiel dafür: Als eine bisexuelle, fette Frau, die nicht aus Deutschland kommt, bin ich mehreren Diskriminierungsformen ausgesetzt. Ich erlebe Sexismus, weil ich eine Frau bin, Fatphobia und Fatshaming, weil ich fett bin, Homophobie und Queerfeindlichkeit, weil ich bisexuell bin und Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit), weil ich aus Osteuropa komme. Das führt zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen. Das heißt ich erfahre bzw. erlebe eine andere Form der Diskriminierung als zum Beispiel eine deutsche, bisexuelle und fette Frau oder als eine osteuropäische, bisexuelle, dünne Frau.

Aus der .divers-Community erreichte uns folgender wichtiger Hinweis, den wir gerne noch ergänzen möchten: Ursprünglich kommt der Begriff „Intersektionalität“ aus der Schwarzen Frauen Community und wurde von Kimberlé Crenshaw geprägt.

J

K

L

LGBTQIA+
LGBTQIA+ beschreibt alle Menschen die nicht heterosexuell und/oder cis Gender sind. Dabei stehen die einzelnen Buchstaben für die jeweiligen Communities. Das + ist da, um zu markieren dass man zahllose Buchstaben hinzufügen könnte die ebenso Teil davon sind.
Mehr dazu kannst du beim diversmagazin im Artikel Communities of LGBTQIA+ von Jordan Tanner lesen.

M

marginalisiert
Als marginalisiert gelten einzelne Menschen oder auch ganze Bevölkerungsgruppen, die von einer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Diese Ausgrenzung kann zum Beispiel auf sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Ebenen erfolgen, meistens jedoch auf mehreren Ebenen gleichzeitig und geht immer mit Diskriminierung einher. Marginalisierung hat also auch immer etwas mit Macht zu tun.

Menschen mit Behinderung
Es gibt mittlerweile viele Begrifflichkeiten, um behinderte Menschen zu benennen, doch nicht alle sind immer sinnvoll. Wir haben uns in der Redaktion darauf geeinigt, von Menschen mit Behinderung oder behinderten Menschen zu sprechen, wenn wir darauf aufmerksam machen wollen, dass eine Einzelperson oder eine Gruppe mit Behinderungen lebt. Das Wort „behindert“ wird schon seit einigen Jahren als Schimpfwort benutzt. Für eine neutrale Beschreibung ist das Wort „Mensch“ wichtig, anstatt nur von der*dem „Behinderten“ zu sprechen. Denn sonst reduziert man den Menschen auf ein einziges Merkmal. Es gibt auch Leute, die die Ausdrucksweise „Mensch mit Beeinträchtigung“ nutzen. Der Unterschied zwischen „Beeinträchtigung“ und „Behinderung“ liegt darin, dass die Beeinträchtigung bspw. die körperliche Seite der Behinderung meint, während beim Wort Behinderung eine soziale Dimension hinzukommt: Der Mensch WIRD behindert oder ausgeschlossen, z.B. durch unüberwindbare Barrieren.

N

non-binary
Non-binary (Nichtbinäre Geschlechtsidentität, kurz nicht-binär, enbie; englisch: nonbinary, kurz enby/nb oder genderqueer (kurz: GQ), ist eine geschlechtliche Identitätsmöglichkeit und Selbstbezeichnung, die sich bewusst dem binären System, bestehend aus Männlich/Weiblich, entzieht.
Es gibt facettenreiche Variationen der Nichtbinären Geschlechtsidentität. Einige lehnen das Konzept von Geschlecht gänzlich ab (Agender), andere haben ein wechselndes Geschlechtsgefühl (genderfluid) oder verorten sich bewusst zwischen/außerhalb dieser Möglichkeiten. Trans* kann eine weitere Identitätsmöglichkeit im Non-Binary-Spektrum sein, jedoch ist nicht jede NB-Person auch Trans*.
Im Deutschen gibt es, anders als im Schwedischen das geschlechtsneutrale „hen“, (noch) keine adäquate Optionen an Pronomen für NB‘s, weil es nur weibliche oder männliche Pronomen oder das Neutrum „es“ gibt, das aber nur von einigen Menschen, die sich als Non-Binary identifizieren reclaimt wird. Deshalb wird häufig auch auf „they/them“ aus dem Englischen zurückgegriffen oder ganz auf Pronomen verzichtet und stattdessen immer der Name von der Person genannt.

O

P

Pan-Sexualität
Pansexualität/-Romantik definiert sich darüber, dass es da ausschließlich um den Menschen geht und das Geschlecht keine Rolle spielt, weder romantisch noch sexuell. Bisexualität (s. oben) und Pansexualität werden im heutigen Diskurs auch oft zusammengeführt, jedoch sollte natürlich jede Person selbst für sich entscheiden, ob und wie sie sich labeln möchte, ob Pan oder Bi oder anders.

Pinkwashing
Pinkwashing bezeichnet die Vermarktung von Produkten, Personen, Ländern und Organisationen durch eine Identifizierung mit der LGBTQIA+ Community. Die beworbenen Gegenstände/Politiken sollen durch diese Identifizierung modern und fortschrittlich wirken. Dem Marketing und dessen „politischen“ Strategien geht es jedoch meistens gar nicht wirklich um die Rechte der LGBTQIA+ Community, sondern nur darum, Geld zu gewinnen.

Pinkfacing
Pinkfacing bezeichnet die gängige Praxis LGBTQIA+ Figuren mit heterosexuellen Cis-Schauspieler*innen zu besetzen. Dies bezieht sich vor allem auf den Bereich, in welchem heterosexuelle Schauspieler*innen homosexuelle Figuren spielen. Es ist so, dass heterosexuelle Schauspieler*innen auch oft eine größere Bandbreite an (queeren) Rollen zur Auswahl haben, homosexuelle Schauspieler*innen aber nicht. Ein sehr kontroverses Beispiel für Pinkfacing ist die Serie „Transparent“, in welcher es um eine Transfrau und ihre Familie geht. Die Transfrau wird von dem weißen, heterosexuellen Cis-Mann Jeffrey Tambor gespielt.

POC
People of Colour (POC) sind Menschen, die auf Grund vermeintlicher Merkmalsausprägungen nicht zur weißen Mehrheitsgesellschaft und somit nicht zur Norm gezählt werden. Aufgrund dieser Merkmale erfahren sie im Alltag Diskriminierung wie Rassismus. Ihre pure Existenz wird zum Beispiel in Deutschland immer wieder in Frage gestellt.
Mehr zu dem Thema findet ihr in Yamundao Bah’s Artikel Rassismus an Schulen und was heißt eigentlich POC?

Q

Queer
Eine allgemeingültige Definition des Begriffs Queer gibt es nicht, da das Konzept, das dahinter steckt sich weigert eine feste Form anzunehmen und konstant im Wandel ist. Forscht man nach den Übersetzungen des englischen Wortes trifft man auf verschiedene Antworten. Das Verständnis von dem Substantiv „Queer“ als politischen Sammelbegriff, der alles Traditions- und Normabweichende bezüglich Sexualität und Geschlecht meint, ist am geläufigsten. Im Englischen heißt das dann „umbrella term“, und soll alles miteinbeziehen, was nicht ausschließlich heterosexuell ist oder von einer Einteilung der Geschlechter in Mann und Frau ausgeht. „Queer“ ist jedoch in seiner Bedeutung und mit dessen Hintergrund viel komplexer. Der Gebrauch des Wortes stammt ursprünglich auch aus dem englischsprachigen Raum. Er wurde und wird teilweise nach wie vor ähnlich wie das Schimpfwort „Faggot“ (dt: Schwuchtel) abwertend verwendet. Gleichzeitig haben sich jedoch in den späten 1980er Jahren LGBTQ+ Gruppen den Begriff „Queer“ mit Stolz angeeignet, positiv umgedeutet und als kämpferische Selbstbezeichnung verwendet. Insbesondere radikale Aktvist*innen und gesellschaftliche Außenseiter*innen aus den USA, die sich in der Schwulen und Lesben Community nicht mehr repräsentiert gefühlt haben, erhofften sich mit der Selbstermächtigung durch die queere Bündnispolitik einen politischen Gegenentwurf, der sich herrschaftskritisch und kämpferisch gegen Normen, Festschreibungen und ausgrenzende Systeme auflehnt. Identitätskritik ist hierbei ein wichtiges Stichwort: „Queer“ versucht sich kritisch von der Identitätspolitik abzusetzen und spricht sich für die Aufhebung einer festgelegten, klaren und natürlichen Identität aus. Das heißt unter anderem, dass er sich dagegen wehrt Menschen auf Merkmale wie Frau, Mann, People of Color, weiß, (…) zu reduzieren. Er setzt sich für Mehrdeutigkeit ein und bringt Kategorien durcheinander auf denen geschlechtliche und sexuelle Normen aufbauen.
Im Mittelpunkt des Gedankens der hinter „Queer“ steckt steht das Praktizieren von intersektionaler Solidarität jenseits von (Selbst)Kategorisierungen!

Anm.d.A.: Diese Erläuterung des Begriffs „Queer“ maßt sich nicht an vollständig zu sein und alle Aspekte davon miteinzubeziehen. Sie dient lediglich als grobe und vereinfachte Annäherung.

R

S

Schwarz
Schwarz ist eine politische Selbstbezeichnung von Menschen mit afrikanischen Wurzeln, egal wie weit diese zurück liegen. Schwarz sein bedeutet oft strukturellem, institutionellem und alltäglichem Rassismus in all seinen Facetten ausgesetzt zu sein.

T

Trans* & Cis
Beide Worte stammen aus dem Lateinischen (trans = jenseits von etwas; cis = diesseits von etwas). Eine Person die trans* ist wurde bei Geburt aufgrund vorherrschender, gegenderter Vorstellungen von Geschlecht in die falsche Geschlechterkategorie eingeordnet und in dieser erzogen – sie befindet sich jenseits der Geschlechtszuordnung bei Geburt. Dagegen befindet sich eine Person die cis ist diesseits der Geschlechtszuordnung bei Geburt, wobei eine Einteilung in zwei ausschließliche Geschlechterkategorien ohne Überschneidungsmöglichkeiten vermutlich auch für die meisten cis Personen nur bedingt das individuelle Geschlechtsempfinden widerspiegeln kann.

U

V

W

weiß
Die Bezeichnung weiß beschreibt die privilegierte Position in einem rassistischen System, also in einer durch Rassismus geprägten Gesellschaft. Weiß ist eine politische und soziale Konstruktion. Da es eine politische Bezeichnung und keine Hautfarbenbeschreibung ist, wird der Begriff kursiv geschrieben oder anders gekennzeichnet. Weißsein bedeutet Privilegien und Macht zu besitzen, nicht negativ von Rassismus betroffen zu sein und gilt in Deutschland als unbenannte Norm. Letzteres merken wir daran, dass weißen Menschen ihr Weißsein oft nicht bewusst ist und sie in Deutschland nicht als erstes gefragt werden woher sie ursprünglich kommen würden.
Mehr zum Thema findest du im Artikel Warum ich weiße Männer als weiße Männer bezeichne von Arpana Aischa Berndt.

X

Y

Z

Die .divers-Redaktion bedankt sich bei folgenden Menschen, die die hier aufgelisteten Begriffserklärungen zur Verfügung stellen:
Jordan Tanner
Lea Terlau
Helena Tschau
Yamundao Bah
Deniz Bolat
Mine Wenzel
Bella Ziegler
Alain Paul Nziza
Jasper von Römer
Theodora Brad
Alica Bonauer
Arpana Aischa Berndt
Inke Johannsen
Jule Waizenegger
Maria Lucka

Titelbld by Patrick Tomasso on Unsplash / bearbeitet: .divers

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