Formen des Widerstands: #1 Adbusting

Boris ist Teil des Berlin Busters Social Club, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Adbusting-Aktionen und andere Formen von Kommunikations-Guerilla zu sammeln und zu dokumentieren. 2018 haben sie in Form eines Buchs “Unerhört. Adbusting gegen die Gesamtscheiße” eine Sammlung ausgewählter Aktionen, hauptsächlich aus Berlin, veröffentlicht. Die Gruppe gibt darüber hinaus Workshops zur politischen Straßenkunst „Adbusting“, wann immer sie eingeladen werden.

An so einem habe ich teilgenommen und anschließend Boris interviewt, der unter einem Pseudonym auftritt, genauso wie ich in diesem Interview.

Ms. Ohm: Was ist der Berlin Busters Social Club und was ist für dich oder euch Adbusting und warum dokumentiert ihr es?

Boris: Wir sind Enthusiast*innen und wir sammeln Geschichten von gelungenen Kommunikationsguerilla-Aktionen. Weil man sie so gut fotografieren kann, haben wir besonders viele Adbustings in der Sammlung.

Ms. Ohm: Im Workshop gerade eben fiel mehrmals der Begriff „Kommunikations-Guerilla“. Kannst du diesen Überbegriff noch einmal genauer erklären und verschiedene Formen…

Boris fällt mir ins Wort: Wie lange?

Ms. Ohm: Ähhmm,

Boris lacht.

Ms. Ohm: Du kannst ja mal anfangen.

Boris: überlegt kurz. Der Begriff ist entstanden in einer Zeit, wo linke und linksradikale Leute noch ohne Ende Text geschrieben haben und ganz viele tolle Texte und Analysen hatten und dann die Frage aufkam: Warum hört uns eigentlich niemand zu? Wir können so wunderbar erklären wie die Welt läuft, wir wissen genau, wie das alles funktioniert, aber keine*r wills hören. Beim Beantworten dieser Frage kamen dann einige Leute auf die Idee, dass es vielleicht nicht nur um das Warum von Politik gehen kann, sondern auch um das Wie. Also: Wie entsteht Politik? Wie konstituiert sich das politische Feld? Diesen Fragen versuchen Kommunikations-Guerilla auf den Grund zu gehen.
Ich sehe du hast Fragezeichen.

Ms. Ohm: Naja, vielleicht wären ein paar Beispiele hilfreich. Also wir haben das Adbusting, da werden Werbeflächen, die im öffentlichen Raum erkauft werden, verändert, sodass sich ihre Aussagen umkehren und sich scheinbar selbst kritisieren. Was sind andere Kommunikations-Guerilla-Strategien?

Boris: Gemeinsam dürfte Kommunikations-Guerilla-Taktiken sein, dass sie notgedrungen aus einer Defensive agieren und dass sie versuchen, mit der kulturellen Grammatik unserer Gesellschaft zu arbeiten. Die Annahme, die hinter diesem Begriff kulturelle Grammatik steht ist, dass es ein ungeschriebenes Regelwerk gäbe, was dafür sorgt, dass Menschen soziale Situationen erkennen können, diese interpretieren können und sich dann angemessen zu der sozialen Situation verhalten können. Klingt abstrakt, wird praktisch, wenn man sich Fettnäpfchen vorstellt. Fettnäpfchen bedeuten, dass mit den Interpretationen der Situationen sich angemessen zu Situationen zu verhalten, irgendwas schief gelaufen ist und deswegen war es peinlich. Deswegen haben die Leute komisch geguckt. Kulturelle Grammatik ist eigentlich was ganz Praktisches, weil es dafür sorgt, dass wir Situationen erkennen können und uns angemessen verhalten können. Das Problem ist eher, dass wir im Kapitalismus leben und die kapitalistische Logik einfach alles durchzieht, also auch die kulturelle Grammatik. Ein Problem im Kapitalismus ist, dass er dafür sorgt, dass es geschichtete Gesellschaften gibt, also, dass wenige Privilegierte Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen haben und weite Teile der Bevölkerung vom Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen ausgeschlossen sind und das reproduziert auch kulturelle Grammatik. Beispiel: wen duzt man und wen siezt man? Man siezt in der Regel sozial höher gestellte Personen und randständige Leute. Sogenannte Ausländer, Obdachlose etc. die werden in der Regel geduzt, ohne dass das jemand schlimm findet. Da versucht Kommunikations-Guerilla einzugreifen, um die Reproduktion von Herrschaft und sozialer Ordnung, die auch über kulturelle Grammatik geschieht, zu vermeiden oder um zudrehen.

Ms. Ohm: Aber wie sieht denn ganz konkret ein gelungenes Adbusting aus?

Ein gelungenes Adbusting läuft haarscharf auf der Grenze zwischen Glaubwürdigkeit und Nicht-Glaubwürdigkeit. Da hab ich beispielsweise ein Bundeswehr-Poster, was sagt: „Ausbeutung gewaltsam verteidigen! Ihre Bundeswehr“. Für Glaubwürdigkeit sorgt dann, dass es im Rahmen in einer Werbevitrine hängt und dass es auf den ersten Blick echt aussieht. Außerdem nutzt es noch den Euphemismus Verteidigen, was die Bundeswehr auch tut, kombiniert das aber mit der Klartext-Information Ausbeutung und gewaltsam. Und das, was dann bei den Leuten ausgelöst wird, ist dieses: Huch, das ist irgendwie irritierend. Also mir wird ein Muster angeboten und ich bin überfordert, auf den ersten Blick sofort ein angemessenes Verhalten dazu zu finden. Ist es echt, ist es nicht echt?
Damit wird erzeugt, dass die Leute über das nachdenken, was sie sehen. Und es hat noch einen spannenden Effekt, denn in der Regel orientieren sich Leute an anderen Menschen, wenn sie mit der Interpretation der kulturellen Grammatik überfordert sind. Sie fragen ihre Bekannten und Kolleg*innen, ob sie das Poster für echt halten oder nicht. In dem Moment denkt die zweite Person darüber nach, hat ähnliche Interpretationsschwierigkeiten und es wird dazu führen, dass sie sich darüber unterhalten. Es entsteht eine gesellschaftliche Debatte darum, ob die Bundeswehr etwas mit Ausbeutung, gewaltsam und verteidigen zu tun hat und warum es plausibel oder nicht plausibel erscheint. Das ist gelungene Kommunikations-Guerilla.

21.06.16 am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg
„Unerhört. Adbusting gegen die Gesamtscheiße“ S.6

Ms. Ohm: Was denkst du über den häufig hervorgebrachten Kritikpunkt, Adbusting reproduziere nur Sehgewohnheiten von Werbungen?

Boris: Ja das stimmt total. Aber Wunder von einer Aktionsform zu erwarten, halte ich für einen völlig überzogenen Anspruch. Ich glaube, dass gesellschaftlicher Wandel dann eintritt, wenn viele kleine Leute viele kleine Dinge tun und Adbusting-Aktionen können ein Teil davon sein – in Berlin ist es ja total geil, dass vor jedem halbwegs wichtigen Gebäude eine Werbetafel steht. Das bedeutet: Wenn man eine Botschaft an wichtige Leute hat, kann man direkt dafür sorgen, dass die Leute, die man ärgern möchte, das auch sehen. Also wo mir zum Beispiel eine Vitrine fehlt, ist beim Gebäude vom Reservist*innen-Verband (Vernetzung von ehemaligen Bundeswehr-Soldat*innen. Erklärung. d. Interviewten). Da könnte gut noch eine hin, finde ich.

Ms. Ohm: Das wäre dann ja auch eine Kommunikations-Guerilla-Strategie, Werbevitrinen aufzustellen.

Boris: lachend Ja! Nach kurzer Pause: Wir sind keine konsumkritischen Werbegegner in dem Sinne. Es gibt ja Leute, die sagen, Werbung ist das Übel im Kapitalismus. Werbung sorgt dafür, dass die Leute wie die Zombies einkaufen gehen würden und wenn man die Werbung abstellt, dann werden die Leute sich bewusst – da merkt man schon den esoterischen Einschlag – und gehen dann nicht mehr wie blöd shoppen.
Äähm, das glauben wir nicht.
Die beschissenen Arbeitsverhältnisse bei den H&M-Produzent*innen in Myanmar werden kein Deut besser, wenn man die Werbung hier abschafft. Die Ausbeutungsverhältnisse werden nicht eine Nummer besser im Kapitalismus, nur weil man die Werbung abschafft. Was ich damit unterstreichen will, ist, dass diese Ideologien, die so auf das angeblich eine Übel im Kapitalismus fokussieren, gefährlich sind, weil sie eine krass verkürzte Kapitalismuskritik verkörpern.

Ms. Ohm: Direkt dazu: In eurem Buch geht es gleich zu Beginn genau um diese verkürzte Kapitalismuskritik. Ihr bezeichnet sie als antisemitisch. Kannst du das genauer ausführen?

Boris: Der verwendete Begriff ist nicht antisemitisch, sondern strukturell antisemitisch. Der Begriff verweist auf eine strukturell antisemitische Welterklärungsdeutungsfolie. Diese sagt nicht, „die Juden“ sind an allem Schuld, sondern sie benutzt ein Narrativ, wo ich bloß noch die Figur des Juden einfügen muss, um den Antisemitismus zu haben. Nehmen wir das Beispiel Werbung, die häufig mit Manipulation gleichgesetzt wird. „Werbung ist die größte Umerziehungskampagne der Menschheit“ ist glaube ich so ein Zitat in unserem Buch, wo wir den Deutschlandfunk zitieren. Da wird das Narrativ aufgemacht, dass es eine Umerziehungskampagne gäbe, was voraussetzen würde, dass es eine zentrale Steuerung gibt. Also als gäbe es einen bestimmten Willen, Leute umzuerziehen – ich stoße mich so an diesem Wort, weil es so AfD-Vokabular ist – und dieser Wille kann das auch umsetzen. In diesem Bild steckt mit drin, dass es ein Zentrum gibt, von dem dieser Wille gezielt umgesetzt wird und da ist die Leerstelle dann, die nicht genannt wird, dass es irgendwelche wichtigen Leute gibt, die so Strippenzieher-mäßig die Umerziehungskampagne machen. Dieses Bild ist deswegen strukturell antisemitisch, weil es vollständig anschlussfähig an klassisch antisemitische Erklärungsmuster für die Welt ist, in denen „die Juden“ angeblich so viel Einfluss hätten, in denen „die Juden“ die Medien kontrollieren würden, in denen „die Juden“ volksfremd in den Völkern eingedrungen seien und dort die Positionen der Strippenzieher übernommen hätten.
Seit 1945 ist es mit offenem Antisemitismus in Deutschland schwer. Was sich dann entwickelt hat, ist Krypto-Antisemitismus. Weil Antisemiten nicht mehr offen antisemitisch sein dürfen, benutzen sie Bilder, mit denen sie Antisemitismus andeuten. Zum Beispiel werden Verschwörungstheorien benutzt, die nicht mehr sagen, die Juden sind Schuld, sondern sie benutzen das alte antisemitische Narrativ und das Bild dahinter, aber benennen es nicht als „die Juden“. In dieser Schnittmenge zwischen Krypto-Antisemitismus und dem strukturellen Antisemitismus wird eine Abgrenzung schwer. Welche Leute sind einfach nur blöd und welche Leute tatsächlich Faschist*innen?

Serie vom 14.03.17 in Potsdam anlässlich der Potsdamer Frauenwoche
„Unerhört. Adbusting gegen die Gesamtscheiße“ S.9

Ms. Ohm: Im Internet dreht sich vieles um Werbung, teilweise personalisiert. Viele Menschen nutzen deshalb einen Adblocker, der aber nicht alles blocken kann, alleine weil manche Seiten ihn verbieten. Gibt es Ad-Busting-Strategien, die sich Werbungen im Netz widmen?

Boris: Wir sind keine generellen Werbegegner. Es gibt in der Konsumkritik diesen Spruch: „Wenn euer Produkt gut wäre, bräuchtet ihr keine Werbung, um es zu verkaufen.“ Das glaub ich nicht. Es ist völlig egal, wie gut zum Beispiel unser Buch ist, wenn wir keine Werbung dafür machen würden, wird niemand davon erfahren und dann wird es sich auch niemand kaufen. Ich glaube, auch in einer befreiten Gesellschaft wird man Leute mit Photoshop- und Grafikgestaltungskenntnissen brauchen. Denn auch in einer befreiten Gesellschaft gibt es haufenweise gesellschaftliche Anliegen, um die ich mich kümmern möchte und die ich selbstorganisiert in die Hand nehmen möchte. Dafür brauche ich Mitstreiter*innen. Ich muss für dieses, in meinen Augen gesellschaftlich wichtige Anliegen, werben und Leute darauf aufmerksam machen.

Ms. Ohm: Aber nichtsdestotrotz gibt es doch bestimmt Werbung im Internet, die dich stört.

Boris: Ja, ich hab einen Adblocker.
Es gibt bestimmt Adbustings im Netz, aber das interessiert uns nicht so doll. Was uns interessiert, sind gerade die Sachen, die aus der Filterbubble rausgehen an die Öffentlichkeit. Im Kapitalismus ist Zugang zur Öffentlichkeit eine begrenzte Ressource. Nur wer genug Geld hat, kann sich in der Öffentlichkeit Werbung kaufen. Das führt bei den Leuten zum Kurzschluss, dass das, was in der Öffentlichkeit gezeigt wird, wichtig sein muss. Dadurch werden Adbustings, die draußen bei Sturm und Regen hängen, ganz anders wahrgenommen, als irgendwelche Sachen, die mit Photoshop verändert und dann in einer Filterbubble reingestellt werden. Das hängt glaube ich viel mit geistesgeschichtlichen, ideengeschichtlichen Sachen zusammen. Die griechische Agora, der Marktplatz, spielt für das Narrativ „Wir sind eine westliche Zivilisation“ immer noch eine große Rolle. Auf der Agora trafen sich angeblich die freien Bürger der Antike um miteinander zu diskutieren und Politik zu machen. Das war damals schon Quatsch. Zu den besten Zeiten waren zehn Prozent der Leute in Athen stimmberechtigt und von denen haben vielleicht 50 überhaupt auf den Vollversammlungen geredet und drei haben die Sache im Prinzip entschieden. Auf der Agora abhängen und Politik machen konnten nur die Leute, die gerade nicht arbeiten gehen mussten. Das ist schon in der Antike Propaganda gewesen, aber diese Idee, dass das so sei, ist nach wie vor wirkmächtig, in der Art und Weise wie wir uns zusammen phantasieren, wie Demokratie entstanden sei und wie das alles funktionieren täte. Und deswegen ist dieses „auf die Agora gehen“, also in der Öffentlichkeit Plakate aufhängen, in meinen Augen ein wirkmächtiges Werkzeug. Deswegen ärgern sich die kritisierten Leute darüber.

Ms. Ohm: Mit was für Anklagen und Repressionen müssen Adbusters denn rechnen, wenn sie sich ihren „Platz auf der Agora“ gestalterisch erkämpfen und dabei erwischt werden?

Boris: Mit unterhaltsamem Theater kann man rechnen! Man kann nämlich gerade aktuell thüringische Staatsanwälte als Zeugen laden, die öffentlich erklärt haben, dass sie bei Adbusting keinen Straftatbestand sehen, die dürfen das dann auch ihren Kolleg*innen erklären, dort wo man dann gerade angeklagt ist. Das Problem, das es beim Kriminalisieren von Adbusting gibt, ist, dass der Straftatbestand der Sachbeschädigung eine Dauerhaftigkeit und Erheblichkeit voraussetzt. Habe ich eine Werbetafel, wo normalerweise Papier mit Kleister dran geklebt wird, erheblich und dauerhaft beschädigt oder verändert, wenn ich noch mehr Papier mit Kleister anklebe?
Da die Tatbestandsmerkmale schwer fassbar sind, endete der letzte Gerichtsprozess in Berlin mit Einstellung. Aber das ärgert die Gegenseite natürlich schon. Vor allem wegen Adbustings zu Polizei und Militär ärgert sich die Polizei und die haben in Berlin jetzt extra Sachbearbeiter*innen dafür. Im Verfassungsschutz-Bericht stellt der Geheimdienst Adbusting auch als voll böse dar.
Wenn die Gegenseite so überreagiert, ist Frechheit und politische Verfahrensführung sehr wichtig. In Oslo gibt es ein Kollektiv, dass sich Subvertising Norway nennt. Das sind zwei Lehrer und die machen Selfies beim Adbusten, laden die hoch und treten unter ihren echten Namen bei Workshops auf. Sie betteln also förmlich darum, endlich mal verklagt zu werden und das passiert einfach nicht. Das liegt glaube ich daran, dass die Werbefirma in Oslo sehr clever ist. Die schnallen, dass Gerichtsprozesse in Demokratien, ähnlich wie die Agora, als relevant wahrgenommen werden: Was im Gericht passiert, ist wichtig und in dem Moment, wo jemand sich eine Anklage einhandelt, muss das wichtig sein. Früher wurden übrigens die Gerichtsprozesse auch in der Öffentlichkeit auf der Agora verhandelt. Dass sie den Leuten aus Oslo so eine Art Bühne – in Form eines Gerichtsprozesses – geben würden, auf der sie ihre Kritik an der Werbefirma im Scheinwerferlicht und vor Publikum ausbreiten könnten, checkt die Werbefirma denke ich messerscharf.

Serie vom 31.01.17 in Berlin Kreuzberg und Neukölln rund um den geplanten Google Campus
„Unerhört. Adbusting gegen die Gesamtscheiße“ S.34

Ms. Ohm: Du beschäftigst dich schon länger mit Werbung, nehme ich an. Kannst du sagen, ob und inwiefern sich die Inhalte und Formen im öffentlichen Stadtbild in den letzten Jahren verändert haben?

Boris: Neu ist auf jeden Fall dieses Diversitäts-Marketing. Also, dass beispielsweise die Bahn explizit mit Schwarzen Deutschen wirbt und dass sich dann grüne Bürgermeister, die irgendwo im Schwarzwald wohnen oder so, keine Ahnung ob das Schwarzwald ist dieses Tübingen, wahnsinnig drüber aufregen. Oder die Sensibilität gegenüber sexistischer Werbung ist auch enorm hoch gegangen. Deutschland ist mittlerweile so liberal wie nie zuvor. Da sind Milieus entstanden, die für Sachen wie Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierungsfromen sensibilisiert sind. Das bekommen unter anderem als allererstes die Werbeleute mit und überlegen sich, wie man diesen neuen Milieus, die größtenteils gut ausgebildet und dementsprechend gut verdienend sind, Sachen an die Backe schrauben kann, die sie kaufen. Durch dieses Entstehen von neuen Zielgruppen, entsteht auch veränderte Werbung, die Nachhaltigkeit promotet, die auf Diversität Wert legt, die Sexismus vermeidet.

Ms. Ohm: Zum Abschluss eine utopische Frage: Wie wünschst du dir, dass in einer Gesellschaft mit Werbung umgegangen wird? Wer darf wann und wo entscheiden, für was geworben wird?

Boris: Ich glaube die Werbevitrinen, die dann nicht mehr zentral bewirtschaftet werden, sehen ziemlich schnell so aus, wie die Zettelwände in der Uni, wo alle möglichen Gruppen ihre Zettel hin hängen. An diesen Zettelwänden gilt zunächst Recht des Stärkeren. Aber effizient an Zettelwänden sind langfristig Leute, die sich an das Medium anpassen, die ein als sozial akzeptabel erachtetes Format wählen, die darauf achten, dass sie Termine die noch stattfinden nicht überkleben, sondern Zettel abnehmen, die abgelaufen sind und ihren an die Stelle hängen und in der Regel werden mittel- und langfristig solche Poster und Strategien auch akzeptiert und Leute die sich nicht dran halten, kackedreist überklebt und abgerissen. In einer selbstorganisierten Gesellschaft sind es soziale Normen, die dafür sorgen, dass das funktioniert.
Jetzt läuft es so, dass es sich aus egoistischer Perspektive auszahlt, mit dem Ellbogen vorzugehen und im krassesten Fall Kriege anzufangen. In einer selbstorganisierten, befreiten Gesellschaft lohnt es sich, aus egoistischer Perspektive am meisten kooperativ vorzugehen und sich dann zum Beispiel an soziale Normen beim Zettel aufhängen zu halten.


Interview geführt von Ms. Ohm
Titelbild sowie alle weiteren Bilder mit freundlicher Genehmigung des Berlin Busters Social Club

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