Was ist eigentlich Care-Arbeit?

Das bisschen Haushalt ist doch kein Problem, oder? Immer wieder taucht in Artikeln, in Instagramstories oder in Gesprächen vom Tisch nebenan die Begrifflichkeit Care-Arbeit oder auch Care-Work auf. Aber was bedeutet das eigentlich und wieso spricht man darüber?

Care-Arbeit bedeutet Fürsorgearbeit. Fürsorge und Pflege sind zentrale Elemente menschlichen Lebens. Jede*r braucht irgendwann Pflege. Damit ist nicht nur die Pflege gemeint, die man irgendwann in Anspruch nehmen muss, wenn man alt oder krank ist, sondern auch die Pflege und Fürsorge, die man schon als Kind erfährt und ohne die man gar nicht lebensfähig wäre. Allgemeiner kann man Care-Arbeit als die Arbeit verstehen, die die physischen, psychischen und emotionalen Bedürfnisse eines oder mehrerer Menschen abdeckt. Pflege ist von grundlegender Bedeutung, da es sich um ein universelles menschliches Bedürfnis handelt. Ohne die Pflege, also Care-Arbeit, könnte unsere Gesellschaft und damit auch unsere Wirtschaft gar nicht funktionieren. Trotzdem bleibt Care-Work in der Regel als Teil der Wirtschaft unterbewertet.

Aber es gibt doch Berufe, die auf Pflege ausgerichtet sind?

Care-Arbeit kann bezahlt oder unbezahlt sein. Berufe, die man mit einer bezahlten Care-Arbeit assoziieren würde, sind zum Beispiel: Kranken- und Altenpflege, pädagogische Arbeit wie Erzieher*innen, soziale Arbeit und ähnliches. Besonders in der Kranken- und Altenpflege ist jedoch ein ständiger politischer Diskurs, dass diese Arbeit viel zu gering und schlecht bezahlt wird und zudem viel zu wenig Arbeitskräfte vorhanden sind.

Was ist aber unbezahlte Care-Arbeit? Unter unbezahlter Care-Arbeit versteht man Tätigkeiten, die in privaten Haushalten ausgeführt werden. Also der direkten Pflege von Personen wie Kindern oder älteren Menschen und der indirekten Pflege wie Kochen, Putzen und ähnliches. Je nach Standort, sozioökonomischem Status sowie Alter, Familienstand und Anzahl der Kinder variieren diese Aufgaben hinsichtlich körperlicher Anstrengung und Zeitintensität. Care-Work findet also hauptsächlich zu Hause statt und wird überwiegend von Frauen durchgeführt. Weltweit verbringen Frauen zwei- bis zehnmal mehr Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit als Männer, was einen großen Einfluss auf die Ungleichheit der Geschlechter in der Wirtschaft hat. In Ländern, in denen Frauen mehr unbezahlte Care-Arbeit verrichten, verdienen sie viel seltener Geld. Wodurch sie viel abhängiger von finanziellen Mitteln ihrer Partner*innen sind. Oft können Personen durch die zeit- und arbeitsaufwendige Care-Arbeit gar keinen Beruf in Vollzeit ausüben. Und trotzdem mangelt es auch an Wertschätzung für diese Arbeit, die oft als solche gar nicht erkannt wird. So wird Care-Arbeit, weil sie unbezahlt ist, oft hierarchisch einer Lohnarbeit untergeordnet.

Ich erinnere mich daran, wie ich selbst ein ziemliches Unverständnis meiner Mutter gegenüber gebracht habe, wenn ich nach einem harten Schultag zurück nach Hause gekommen bin und sie sich darüber beklagt hat, jetzt noch in die Spätschicht zu müssen. Im Gegensatz zu mir hatte sie doch den ganzen Vormittag, Mittag und frühen Nachmittag zu Hause rumgammeln können, also wieso sich jetzt beschweren arbeiten zu müssen?, so dachte ich. Was in meiner Denkweise unsichtbar blieb, war dass meine Mutter jeden Morgen mit ihren Kindern aufgestanden ist, in unser Schulzeit putzt, Wäsche macht, einkauft, sich doofe Kommentare anhören muss, wenn das Essen nicht fertig ist und zusätzlich zu dieser Arbeit, auch noch arbeiten gehen muss, damit das Geld nach Hause kommt. Bestimmt gibt es Kinder und Jugendliche, die empathischer mit ihren Eltern umgegangen sind als ich und das alles nicht für so selbstverständlich genommen haben. Doch würde es auch nicht den Punkt treffen mich als besonders bockigen, narzisstischen Teenager abzustempeln. Care-Arbeit erfährt eine Unsichtbar-Machung aus gesellschaftlicher Perspektive und erhält damit nicht die verdiente Wertschätzung.

Care-Arbeit ist eine gesellschaftliche Verpflichtung

Die Arbeit, sich um jemanden zu kümmern, ist nicht selbstverständlich. Es ist keine Arbeit, die besonders Frauen wegen ihrer Natur und ihres Wesens automatisch können und verrichten müssen. Care-Arbeit ist nicht „natürlich“ oder selbstverständlich. Es ist eine gesellschaftliche Verpflichtung ohne die unser Miteinander im Kleinen wie im Großen Kontext nicht funktionieren würde. Wir wollen schließlich zum Beispiel alle daran glauben, dass wir am Ende unseres Lebens nicht elend irgendwo verrotten, sondern dass sich um uns gekümmert wird. Wir wollen, dass Kinder gut behandelt und beschützt werden. Der sentimentale Wert dieser Arbeit ist groß, der monetäre, anerkennende Wert gering oder gar nicht vorhanden.

Wenn über unbezahlte Care-Arbeit gesprochen wird, sprechen wir häufig über eine gegenderte Problematik. Dadurch dass vermehrt Frauen verantwortlich für unbezahlte Care-Arbeit sind, begeben sie sich in größere finanzielle Abhängigkeiten. Auch emotionale Konsequenzen, die die teilweise sehr anspruchsvolle Care-Arbeit, vor allem in Bezug auf andere Menschen, mit sich bringt, sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Unbezahlte Care-Arbeit ist also zeit-, arbeits- und emotionsintensiv und wird trotzdem oft als Arbeit gar nicht anerkannt. Es ist also wichtig über Care-Arbeit zu sprechen und sie sichtbar zu machen.

Ein Artikel von Judith Riemann
Titelbild: JETSHOOTS on Unsplash

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