Wie kann ich mich antirassistisch weiterbilden? Wie kann ich helfen?

Auch wir haben vor einigen Tagen eine schwarze Kachel bei Instagram gepostet, um uns mit der Black Lives Matter Bewegung zu solidarisieren. Diese Aktion wurde zurecht von vielen kritisiert, denn allzu oft ist Social Media Aktivismus eher ein symbolischer Akt, der in der eigenen Filter-Blase verhallt. Mit einem Instagram Post darf die Solidarität nicht aufhören.

Wir sind eine weiße Redaktion und möchten diese Plattform nutzen, um auf das künstlerische Schaffen, die Geschichten und die Bildungsangebote von BIPoCs aufmerksam zu machen. Davon ausgehend, dass auch viele von euch, unserer Leser*innenschaft, weiß sind, wollen wir zur antirassistischen Weiterbildung aufrufen. Von Podcasts über Bücher, Artikel und Filme habt ihr dann einiges Material an der Hand, um euch selbst und andere über strukturelle Gewalt, Rassismus und Privilegien aufzuklären.

Auch wir machen oft noch Fehler und müssen noch viel lernen. Nur weil man ein, zwei Podcasts gehört hat, ist man leider noch nicht -schwupps – ein*e Antirassist*in. Rassismus zu verlernen und stattdessen rassismuskritisch und solidarisch zu denken und zu handeln, ist immer ein Prozess und erfordert viel Arbeit. Die Liste ist natürlich unvollständig, Ergänzungen könnt ihr uns gerne in die Kommentare schreiben.

Wenn du dich fragst, wieso wir weiß kursiv schreiben oder du andere Wörter nicht kennst oder verstehst, kann dir vielleicht unser Glossar weiterhelfen.

Filme & Serien

When They See Us (Netflix)
Die Miniserie erzählt in vier Folgen den Fall der sogenannten Central Park Five nach. Dabei wird die Willkür und die Gewalt der Polizei gegenüber Schwarzen Menschen dargestellt und wie diese in den 1980er das Leben fünf junger Menschen zerstört hat.

Dear White People (Netflix)
Aus unterschiedlichen Perspektiven von Schwarzen Menschen werden in drei Staffeln Rassismuserfahrungen an einer weiß-dominierten Elite-Universität thematisiert.

Fruitvale Station (Netflix)
2009 wurde der Afroamerikaner Oscar Grant von der Polizei erschossen. In dem Film werden die letzten 24 Stunden des jungen Mannes aus einem Vorort von San Francisco rekonstruiert.

Moonlight (Netflix)
In drei Kapiteln – von der Kindheit, über die Jugend bis zum Erwachsenen – zeigt der Coming of Age Film das Leben von Chiron aus Miamis Liberty City. Poetisch, politisch und sensibel erzählt, werden Männlichkeitsbilder, soziale Milieus und Schwarz-Sein thematisiert.

I am not your negro (bpb Mediathek)
Der Dokumentarfilm basiert auf einem Textmanuskript von James Baldwin. Aus seiner Sicht schildert der Film die Ermordung der afroamerikanischen Bürgerrechtler Malcolm X, Martin Luther King und Medgar Evers.

Entkolonialisierung – ARTE Doku (youtube)
Die Doku erzählt den Befreiungskampf gegen den Kolonialismus und im Gegensatz zu anderen Dokumentationen erzählt die Doku aus der Sicht der Menschen aus kolonialisierten Gebieten. Sie porträtiert verschiedene Befreiungskämpfer*innen und gibt einen wichtigen Einblick in einen immer noch anhaltenden Prozess.


Spotify

Tupodcast
Tupoka Ogette spricht mit anderen Schwarzen Frauen übers „(Über-)Leben, Lieben, Entdecken, (Er-)Schaffen, (Er-)kämpfen, (Er-)Forschen , Inspirieren und Schreiben. Über Widerstand und Heilung. Über Trauer und Hoffnung. Über Rassismus und Empowerment.

Feuer&Brot
Alice Hasters und Maxi Haecke sind seit der fünften Klasse befreundet. In ihrem Podcast sprechen sie über Persönliches, über Politisches und Gesellschaftliches. Gut recherchiert und angenehm erzählt, erfährt man neue Blickwinkel und Perspektiven – auch in Bezug auf Solidarität, Verständnis und Empathie unter Freund*innen.

Afropod: Kompromisslos Schwarz
In dem Podcast von und mit Maciré und Fatou geht es um radikale Analysen zu Anti-Schwarzem Rassismus und Geschichten und Möglichkeiten des Widerstands. Der Podcast ist für Schwarze Menschen und es wird ausdrücklich betont, dass dort kein Platz für white tears und white fragility ist.

Für mehr Empfehlungen schaut doch mal in den Tweet von SpotifyDE

Online-Artikel

„Rassismus an Schulen und was heißt eigentlich POC?“ von Yamundao Bah

„Warum ich weiße Männer als weiße Männer bezeichne“ von Arpana Berndt

„Weiße Deutsche machen zu, sobald es um Rassismus geht“ – Ein Interview mit Céline Barry und Priscilla Layne bei ZEIT Campus

„5 Aktivist*innen erklären, wie wir die letzte Woche am Leben erhalten können“ bei Rosa Mag

„Warum ich weißen Menschen ab sofort nicht mehr von meinen persönlichen Rassismuserfahrungen erzählen werde“ von Josephine Apraku bei Edition F


Online-Talks auf Instagram

Talk zwischen Alice Hasters und Fikri Anıl Altıntaş bei der Schwarzkopf Stiftung

„Sitzplatzreservierung“ von und mit Aminata Belli und Hadnet Tesfai, mehrere Folgen

Interview mit Natasha A. Kelly bei dlf kultur

Talk zwischen Jeff Kwasi Klein von „each one teach one“ & Esra Karakaya


Sachbücher, Essays, Lyrik

Wenn ihr selbst nicht die Möglichkeit habt, euch Bücher (neu) zu kaufen, fragt doch in eurem Umfeld nach, ob jemand eins der Bücher zu verleihen hat, schaut in eurer städtischen Bibliothek oder kauft Bücher gebraucht in Antiquariaten oder über Online-Second-Hand-Plattformen.

Schwarzer Feminismus hrsg. von Natasha A. Kelly (2019)
Eine Auswahl an Essays wichtiger afro-amerikanischer Kritikerinnen wie bell hooks, Andrée Nicola McLaughlin und Audre Lorde, die jetzt erstmals auf Deutsch erschienen. Beginnend mit einem historischen Text von Sojourner Truth, zeigt der Band die Kontinuität und Aktualität intersektionaler Debatten auf.

Exit Racism von Tupoka Ogette (2018)
Ein sehr guter Einstieg. Die Antirassismustrainerin Tupoka Ogette führt ihre Leser*innen hier verständlich, verständnisvoll und niedrigschwellig an das Thema Rassismus heran. Als Hörbuch, von der Autorin gesprochen, auch sehr zu empfehlen.

Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow (2008)
Ein wenig schärfer, ein wenig sarkastischer formuliert als „exit racism“, hält Noah Sow ihren weißen Leser*innen den Spiegel vor – das ist witzig und tut weh (und das ist auch gut so). In der aktualisierten Auflage (2018) benutzt Sow gendergerechte Sprache.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche von Reni Eddo-Lodge (2017)
Eddo-Lodge zeigt auf, wie Rassismus unseren Systemen historisch, kulturell und institutionell eingeschrieben ist. Es geht vor allem um die Geschichte und Politik ihrer Heimat Großbritannien, aber vieles lässt sich auch auf Deutschland übertragen.

Ums Überleben kämpfen von Zain-Alabidin Al-Khatir (2019)
Vom Sudan nach Deutschland: Diese Autobiografie schildert, wie sich europäische Abschottung, EU-Migrationsabwehr und der deutsche Behördenwahnsinn auf flüchtende Menschen auswirken. TW: Schilderung von Tod, Folter, Vergewaltigung.

Vertrauen, Kraft & Widerstand von Audre Lorde (2015)
Für Fortgeschrittene. Elf kurze Texte und Reden von der Akademikerin und Aktivistin Audre Lorde. Eine Einführung in ihre Ideen rund um politisches Handeln, Dominanzkritik und antidiskriminierenden Aktivismus.

blues in schwarz weiss: Gedichte von May Ayim (1995)
Die afrodeutsche Schriftstellerin May Ayim observierte in ihrer Lyrik Alltagsrassismus und das Leben in der Diaspora auf persönliche, wütende, politische und pointierte Weise.

Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten von Alice Hasters (2019)
Wie der Titel bereits verrät, ist dieses Buch von Alice Hasters für weiße Menschen. Spezieller es ist für diejenigen, die sich mehr mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen wollen und sich selbst vielleicht sogar als nicht-rassistisch beschreiben würden. Alice Hasters erklärt Strukturen und Internalisierungen von Rassismus und welche Rolle weiß-Sein dabei spielt. Das Buch ist auch als ungekürzte Lesung auf Spotify hörbar.


Romane

The Nickel Boys von Colson Whitehead (2019)
Eigentlich hat der sechzehnjährige Elwood einen Platz am College, doch durch einen Zufall landet er in einem gestohlenen Auto und wir ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt „Nickel“ gesperrt. Der US-Amerikanische Autor Colton Whitehead wirft in seinem Roman einen genauen Blick auf den Rassismus der 60er Jahre in den USA.

Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie (2013)
Ifemelus und Obinzes Liebesgeschichte beginnt im Nigeria der 90er-Jahre. Doch dann trennen sich ihre Wege: Ifemelu beginnt ein Studium in Princeton, Obinzes gelangt mit einem Touristenvisum nach London und taucht dort in die Illegalität ab. Beide haben an ihren neuen Wohnorten mit Rassismus, Vorurteilen und struktureller Benachteiligung zu kämpfen.
Die nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie schafft es über den fiktiven Blog ihrer Figur Ifemelus in kurzen Essays den Rassismus in den USA direkt zu kommentieren.

Von dieser Welt von James Baldwin (Original: Go Tell It On The Mountain, 1953)
John Grimes wächst im Harlem der 30er-Jahre auf. Sein Leben ist geprägt von Rassismus, Armut und dem religiösen Fatalismus seines Vaters. Als sein Bruder Roy an Johns 14. Geburtstag von Messerstichen schwer verletzt nach Hause kommt, wagt John einen mutigen Schritt, der nicht nur sein eigenes Leben verändert.
Wenn du das Buch des US-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin lieber hören willst, anstatt es zu lesen, findest du das Hörbuch kostenlos bei Spotify.

Für mehr Buchtipps schaut gerne mal auf der Website der Buchhandlung InterKontinental (Berlin) vorbei. InterKontinantal ist die erste auf afrikanische Literatur spezialisierte Buchhandlung in Deutschland.

Spenden

Geld zu spenden ist nicht allen ohne Weiteres möglich. Mit dem YouTube-Video „how to financially help BLM with NO MONEY/leaving your house (Invest in the future for FREE)“ von Zoe Amira könnt ihr aber auch ohne Geldspende einen Teil zur BLM-Bewegung beitragen. Dazu müsst ihr euch nur das Video ansehen. 100% der Werbeeinnahmen werden Organisationen zukommen, die die Black Lives Matter Bewegung unterstützen (so die Macherin). Wichtig ist, dass ihr euren AdBlocker ausschaltet, während ihr das Video anseht. Im Video zu sehen sind Inhalte von Schwarzen Künstler*innen. Auf der Twitter-Page von Zoe Amira kann man über ihren gepinnten Thread sehen, wieviel Geld schon zusammen gekommen ist. Laut ihrem aktuellsten Update vom 8. Juni sind schon 42.000$ über das Video zusammen gekommen:

Außerdem könnt ihr, auch wenn ihr selbst nicht die finanzielle Möglichkeit habt, eure Eltern, Großeltern, Tanten und Onkels fragen, ob sie die Möglichkeit haben, die Black Live Matters Bewegung finanziell zu unterstützen.

Ein Artikel von der .divers Redaktion

Titelbild by Maria Oswalt on Unsplash

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